Pfropfreiser der Moral in allen Gattungen der Literatur : Karl Philipp Moritz´ "Beiträge zur Philosophie des Lebens" und die Anfänge der Lebensphilosophie

Daß es neben dem unstrittigen Mittelmaß an lebenspraktischer Ratgeberliteratur auch originelle Traditionsbegründer gab, soll im folgenden am Beispiel von Karl Philipp Moritz gezeigt werden. Zwar wird er mit seinen Beiträ
Daß es neben dem unstrittigen Mittelmaß an lebenspraktischer Ratgeberliteratur auch originelle Traditionsbegründer gab, soll im folgenden am Beispiel von Karl Philipp Moritz gezeigt werden. Zwar wird er mit seinen Beiträgen zur Philosophie des Lebens als einer der frühesten Namensgeber für die Bewegung bis hinauf zum Lexikonartikel erwähnt, eine inhaltliche Auseinandersetzung fand aber bisher kaum statt. Ein gutes Beispiel dafür ist eine jüngere Darstellung zur Lebensphilosophie (1993) von Ferdinand Fellmann. In wenigen Zeilen wird Moritz´ Werk kurz erwähnt und hervorgehoben, daß er “psychologische Erkenntnisse mit pädagogischen Intentionen” verbinde. Schon im nächsten Absatz versieht ihn Fellmann aber mit dem Etikett “romantische Lebensphilosophie”, trotz der markierten Gegensätze gemeinsam mit Friedrich Schlegel, dem Verfasser von Vorlesungen zur Philosophie des Lebens (1827). Zusammen werden sie einer ersten Epoche zugerechnet, von der sich eine zweite radikal unterscheide, die erstmals mit Nietzsche, Bergson und Simmel zu einer “Theorie der Selbsterfahrung” ansetze. Gegen diese schroffe Entgegenstellung möchte ich aus zwei Gründen deutliche Kontinuitäten zwischen Moritz und der moderneren Lebensphiloso-phie betonen: Erstens sind seine Beiträge ein literarisch ambitioniertes Experiment mit Darstellungsformen, die sich ähnlich konträr zur akademischen Schulphilosophie der jeweiligen Zeit verhalten wie Schopenhauers Aphorismen zur Lebensweisheit (1851) oder Nietzsches Menschliches, Allzu-menschliches (1878). Zweitens entfaltet Moritz in diesem Frühwerk Überlegungen zur Selbstbeobachtung, zu Selbstgefühl und Selbstreflexion, die das Magazin zur Erfahrungsseelenkunde sowie den Anton Reiser vorbereiten und letztlich durchaus zu einer “Theorie der Selbsterfahrung” in Fellmanns Sinne führen. Kaum zufällig haben die von ihm aufgebotenen Autoren sich gelegentlich auf Moritz berufen.
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Metadaten
Author:Alexander Kosenina
URN:urn:nbn:de:hebis:30-1114017
Parent Title (German):Goethezeitportal
Publisher:Goethezeitportal
Place of publication:München
Document Type:Article
Language:German
Date of Publication (online):2008/11/17
Year of first Publication:2004
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2008/11/17
SWD-Keyword:Karl Philipp; Moritz
Source:Goethezeitportal : http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/moritz/kosenina_philosophie.pdf ; (in:) Ursula Goldenbaum / Alexander Kosenina : Berliner Aufklärung : Kulturwissenschaftliche Studien, Bd. 2. - Hannover-Laatzen, 2003, S. 99-124.
HeBIS PPN:20929583X
Dewey Decimal Classification:830 Literaturen germanischer Sprachen; Deutsche Literatur
Sammlungen:GiNDok
BDSL-Classification:BDSL-Klassifikation: 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.13.00 Zu einzelnen Autoren
Licence (German):License LogoDeutsches Urheberrecht

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