Antirhetorik, Propaganda, Streit, Spiel und Ironie : zur Formengeschichte der Lobrede

Die Gattung Lobrede zwingt zur Einseitigkeit. Deshalb ist sie der Paradefall für den Konflikt zwischen Rhetorik und Wahrhaftigkeit, Paradefall damit für den Streit um Glanz und Elend der Redekunst. Der Glanz schöner Wort
Die Gattung Lobrede zwingt zur Einseitigkeit. Deshalb ist sie der Paradefall für den Konflikt zwischen Rhetorik und Wahrhaftigkeit, Paradefall damit für den Streit um Glanz und Elend der Redekunst. Der Glanz schöner Worte und das Elend von Schmeichelei und Lüge können nirgendwo so eindrucksvoll erscheinen wie in der Lobrede. Archetypisch zeigt dies der Gegensatz zwischen den Sophisten und Sokrates: Lob ist das Schaustück, an dem die einen die Macht und der andere die Falschheit der Redekunst erweisen. Doch nicht nur der Streit um die Rhetorik überhaupt, sondern auch die Geschichte der Rhetorik selbst, der historische Wertewandel innerhalb der rhetorischen Theorie wechselt bei der Lobrede in extremes Für und Wider. Das hat eine politische Dimension. Denn nach der Aristotelischen Trias ist die epideiktische Gattung ja die Form fragloser Rede. Im Gegensatz zur Gerichts- und Beratungsrede geht es in ihr nicht um Strittiges, sondern um feststehende Urteile und Ansprüche, die - anstatt zu diskutieren - nur vorzuführen sind. Als politische Dimension entspricht dem der Unterschied von Meinungsstreit und Herrschaftsrepräsentation. [...]Wie die Gattung Lobrede heute politisch konnotiert ist, läßt sich indirekt an der hohen Konjunktur des Wortes "Streitkultur" ablesen. Der deutlichste germanistische Beitrag dazu war die Lessing-Tagung 1991, die unter dem Titel "Streitkultur" den Kritiker, den Polemiker, den in argumentativer Schärfe auf produktiven Widerspruch setzenden Lessing als Vorbild für die eigentliche öffentliche Rede würdigte.
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Metadaten
Author:Stefan Matuschek
URN:urn:nbn:de:hebis:30-110072
ISBN:3-7705-3376-3
Document Type:Article
Language:German
Date of Publication (online):2011/07/26
Year of first Publication:1999
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Release Date:2011/07/26
Tag:Lobrede; Redekunst; Streitkultur
SWD-Keyword:Becher; Gotthold Ephraim ; Jens; Johannes R. ; Lessing; Mann; Thomas (Künstler) ; Walter
Source:Antirhetorik, Propaganda, Streit, Spiel und Ironie. Zur Formengeschichte der Lobrede ; (in:): Josef Kopperschmidt, Helmut Schanze (Hrsg.): Fest und Festrhetorik. Zur Theorie, Geschichte und Praxis der Epideiktik - München, 1999. S. 181-191
Contributor:Kopperschmidt, Josef, Schanze, Helmut (Hrsg.)
Institutes:Extern
Dewey Decimal Classification:800 Literatur und Rhetorik
Sammlungen:GiNDok
BDSL-Classification:BDSL-Klassifikation: 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.10.00 Stilistik. Rhetorik
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

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