Effekte der Reorganisation des klinischen Unterrichts auf die klinische Kompetenz

Hintergrund: Seit 1972 wurde am Fachbereich Medizin der Goethe Universität Frankfurt ein Anamnese- und Untersuchungskurs (UkliF=Untersuchungskurs klinischer Fächer) für Studierende des 1. klinischen Semesters durchgeführ
Hintergrund: Seit 1972 wurde am Fachbereich Medizin der Goethe Universität Frankfurt ein Anamnese- und Untersuchungskurs (UkliF=Untersuchungskurs klinischer Fächer) für Studierende des 1. klinischen Semesters durchgeführt. Dieser Kurs war in den letzten Jahren durch die mangelnde Kursstruktur als wenig zufriedenstellend für alle Beteiligten aufgefallen. Die Fragestellung war demnach, ob es möglich ist durch Reorganisation des klinischen Unterrichts bessere klinische Kompetenz bei den Studierenden und damit bessere Ergebnisse in der „objective structured clinical examination” (OSCE) zu erreichen.
Methoden: Zunächst wurde ein Lernzielkatalog erstellt und ein neues Unterrichtskonzept für den UkliF implementiert. Der neue Untersuchungskurs bestand aus drei Teilen: Zu Beginn ging es um Klärung der Anamneseerhebung und praktische Übungen mit Simulationspatienten. Danach wurden an mehreren Kurstagen klar definierte Teile der körperlichen Untersuchung besprochen und geübt, um schließlich Anamnese und körperliche Untersuchung mit echten Patienten zu praktizieren. Das neue Unterrichtskonzept sah darüber hinaus eine didaktische Schulung für alle beteiligten Lehrenden vor. Die randomisiert ausgewählten Dozenten absolvierten eine sechsstündige Schulung (n=14). In dieser wurden das neue Kurskonzept, die Lehrmethoden und Informationen über Simulationspatienten vorgestellt. Nachfolgend wurden didaktische Grundlagen, Tipps und Tricks für aktiven Unterricht und Regeln des Feedbacks besprochen. In dieser Schulung wurde eine mangelnde Standardisierbarkeit der Untersuchungstechniken erkannt, woraufhin strukturierte Untersuchungsvideos erstellt wurden, um im Anschluss einen Aufbau-Workshop mit diesen Videos stattfinden zu lassen. Für diese Dissertation wurde der Unterricht zunächst teilweise nach dem alten und zum Teil nach dem neuen Verfahren durchgeführt. Zur Überprüfung der Effizienz der Maßnahmen wurde die OSCE als veränderungssensitive Methode gewählt. Alle Studierenden wurden nach Ende ihres Untersuchungskurses in einer 6-Stationen-OSCE evaluiert. 60 Studierende wurden randomisiert in Gruppe A (neuer Kurs mit trainierten Dozenten; n= 24) und Gruppe B (alter Kurs; n=36). Um einen zusätzlichen Nutzen durch einen vorbereitenden OSCE-Workshop vor der Prüfung nachzuweisen, wurde Gruppe A nochmals unterteilt in Gruppe A1 ohne OSCE-Workshop (n=10) und Gruppe A2 mit zusätzlichem OSCE-Workshop (n=14).
Ergebnisse: Gruppe A erreichte signifikant bessere Ergebnisse in der OSCE mit einem Median von 65% und Gruppe B mit 54% der maximal erreichbaren Punkte (p<0,001). In der Subgruppenanalyse konnte kein signifikanter Unterschied zwischen Gruppe A1 und A2 gezeigt werden. Die Kursevaluation durch die Studierenden zeigte eine positive Bewertung des neuen Kurskonzept. Die Evaluation der Dozentenschulung ergab eine Bewertung (in Schulnoten) mit einer Gesamtnote von 1,3 (SD 0,5).
Schlussfolgerung: Diese Studie zeigt, dass ein gut strukturierter Kurs mit klar definierten Lernzielen und speziell trainierten Lehrenden die Studierendenleistungen in der OSCE signifikant erhöhen kann. Es konnte kein zusätzlicher Effekt durch einen vorbereitenden OSCE-Workshop gezeigt werden, was bedeuten kann, dass Kompetenz im Umgang mit der Prüfungsform keinen Störfaktor darstellt für das Ergebnis der Verbesserung der Prüfungsleistung in der OSCE.
Letztendlich kann durch einfache Mittel, wie die Umstrukturierung und Reorganisation des klinischen Unterrichts, ein großer Effekt erzielt werden und die Lehre eine deutliche Verbesserung erfahren. Nach der Pilotstudie lässt sich nun das neue Kurskonzept für alle Studierenden einsetzen und so die Professionalität in der medizinischen Lehre an der Goethe-Universität Frankfurt sichern.
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Background: Since 1972 there has been a course in physical examination and history taking for students in their first semester of clinical studies. In the last years this course was relatively unstructured and not satisf
Background: Since 1972 there has been a course in physical examination and history taking for students in their first semester of clinical studies. In the last years this course was relatively unstructured and not satisfactory for students and teachers. The focus was put on identification of the possibility to improve the students’ clinical competence and the efficiency in the objective structured clinical examination (OSCE) by reorganisation of the course curriculum.
Methods: First a new structured curriculum for the course was developed. The course consisted of three parts. The first part revised how to take a history and practising it with standardized patients. In the second step clearly defined parts of physical examination were reviewed and trained. The third part comprised of bedside teaching with real patients. According to this a 6-hour “Train-the-teacher workshop” was implemented and 14 randomised medical doctors participated. This interactive workshop consisted of presentations of the new curriculum, teaching methods and information about standardized patients. It also included some didactic basics and advises about how to create an interactive teaching session and rules of giving feedback. Afterwards a teaching method for clinical skills was introduced and practised. In the teacher workshop we noticed a lack of standardized clinical skills competency whereupon there were videos generated with standardized physical examination techniques. Hereafter an additional workshop with these videos did take place. There were 60 students who completed the course. They were randomised into group A, the new course with trained teachers (n=24) and group B with the old system (n=36). At the end all students were assessed in an OSCE consisting of 6 stations. To detect whether an additional OSCE workshop could have any benefits group A was subdivided into group A1 without an OSCE workshop (n=10) and group A2 with an additional OSCE workshop (n=14).
Results: Group A performed significantly better in the OSCE and reached a median of 65% and group B a median of 54% of possible maximum points (p<0.001). The subgroup analysis showed no significant difference between group A1 and A2. The student evaluation of the course showed an increase of students’ satisfaction with the new course. The teachers rated their didactic workshop with a mean value of 1.3 (0.5 SD).
Conclusion: The study confirmed that a highly structured course with well prepared teachers is able to increase the performance of the students in an objective structured clinical examination. The study did not show that an additional OSCE workshop can increashow well the students are prepared for the exam. The workshop did not influence the amelioration of the osce results after the intervention.
Finally this project proved that simple methods like restructuring and reorganisation of basic clinical skills training can be highly effective and can lead to superior medical teaching. After the pilot study it is now possible to use the new system for all the students and thus can improve professionalism in medical teaching at the Goethe University in Frankfurt.
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Metadaten
Author:Katharina Hamm
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-263841
Referee:Thomas Otto Friedrich Wagner, Volkmar Jacobi
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2012/09/20
Year of first Publication:2011
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Univ.
Date of final exam:2011/12/12
Release Date:2012/09/21
Pagenumber:82 S.
Note:
Diese Dissertation steht außerhalb der Universitätsbibliothek leider (aus urheberrechtlichen Gründen) nicht im Volltext zur Verfügung, die CD-ROM kann (auch über Fernleihe) bei der UB Frankfurt am Main ausgeliehen werden.
Institutes:Medizin
Dewey Decimal Classification:610 Medizin und Gesundheit
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License LogoArchivex. zur Lesesaalplatznutzung § 52b UrhG

$Rev: 11761 $