Hudelandschaften stellen im nordwestdeutschen Tiefland Lebensräume besonders
hoher biologischer Diversität dar. Während einer über lange Zeiträume andauernden extensiven Bewirtschaftung
durch den Menschen entstand ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Vegetationseinheiten.
Die von geobotanischer Seite gut untersuchten Pflanzengesellschaften und Vegetationskomplexe
bieten sich als Objekte biozönologischer Forschung an. Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung
ist das Studium von Reliktarten-Gemeinschaften alter Wälder. Unter den Carabiden, Chilopoden und
Limaciden können Reliktarten benannt werden. Freilandexperimente zum Ausbreitungsverhalten und
populationsgenetische Untersuchungen an Cerabiden wurden durchgeführt, um Unterschiede zwischen
einer Reliktart und einer weit verbreiteten Art untersuchen zu können. Strukturreiche, ehemalige
Hudewälder besitzen im Vergleich zu den strukturarmen Wirtschaftshochwäldern unterschiedliche
Artengemeinschaften an Chilopoden, Diplopoden und Carabiden. Die Hudelandschaften weisen eine
Reihe von Teil-Lebensräumen auf, die heute landesweit hochgradig gefährdet sind. Hierzu gehören z.B.
die Tot- und Altholzbestände, die durch besonders typische Zersetzer-Gemeinschaften unter den
Arthropoden charakterisiert sind; auch diese sind Gegenstand unserer biozönologischen Untersuchungen.
Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt in der Charakterisierung einzelner Zoo- Taxozönosen
(Coleoptera, Lepidoptera, Diptera, Orthoptera) auf der Basis des pflanzensoziologischen Rasters. Im
Bereich der Ornithofauna haben wir uns bisher intensiver mit den Meisen-Gemeinschaften ausgewählter
Hudegebiete befaßt und die verschiedenen Bindungsgrade an spezifische Ressourcen der Standorte
analysiert. Im Rahmen dieser Arbeit wird gezeigt, daß die Erforschung von Biozönosen unter Landschaftsbezug
und unter Berücksichtigung von Pflanzengesellschaften und Vegetationskomplexen
wichtige Ergebnisse liefert. Im Falle der Hudelandschaften kommt auch kulturgeschichtlichen Zusammenhängen
eine große Bedeutung für das Verständnis des Aufbaues solcher Ökosysteme zu.
In North-West Germany grazed woodland landscapes represent ecosystem complexes of
especially high biological diversity. Owing to a long-Iasting extensive manaqement, a diverse mosaic
of different vegetation structures has developed. Plant communities and vegetation complexes wh ich
have been weil investigated by geobotanists are suitable subjects for biocoenological research. The
study of relic communities of ancient woodlands is of particular scientific importance. Among Carabidae,
Chilopoda, and Limacidae, relic species can be named. Outdoor experiments concerning spreading
characteristics as weil as population genetical investigations were performed to study differences
between a relic species and a wide-spread species. Former grazed woodlands diverse in structures
possess different coenoses in Chilopoda, Diplopoda, and Carabidae, contrary to the economically used
high forests which are poor in structures (planted even-aged stands).