Seit Jahrhunderten werden Pflanzen fremder Florengebiete in Klosteranlagen, Botanischen
Gärten und privaten Sammlungen als Zier- und Nutzpflanzen kultiviert. Und so ist es nicht
verwunderlich, dass einige Arten verwilderten und sich in unserer Flora etablierten. Von manchen
Sippen sind Diasporen entwichen oder wurden durch Tiere verschleppt, für die meisten
Verwilderungen zeichnet jedoch der Mensch durch Entsorgung von Gartenabfällen und Ansalbungen
verantwortlich. Während bei uns bis etwa 1990 die städtischen und ländlichen Schuttund
Aschegruben als Zentren hortifuger Pflanzen anzusehen waren, kommt diese Rolle
inzwischen den Weg-, Wald- und Heckenrändern zu. In Gebieten, wo organische Abfälle nicht
gesondert erfasst und entsorgt werden, hat die Ablage des Gartenauswurfs in der Landschaft
mancherorts schon bedenkliche Ausmaße angenommen. Die meisten Zierpflanzen verhalten
sich zwar ephemer, einige robuste Sippen können sich aber auch über einen längeren Zeitraum
behaupten oder sogar ausbreiten. Zur letzteren Gruppe gehören vorrangig Pflanzen, die
durch unter- bzw. oberirdische Ausläufer ein hohes Regenerationspotenzial aufweisen, wie
z. B. Fallopia japonica, F. sachalinensis und Galeobdolon argentatum. Beim Erwerb solcher
Zierpflanzen – die aus diesen Gründen besonders kostengünstig angeboten werden – wird das
oft nicht bedacht. Wuchernde Bestände werden dann verkleinert oder ganz entfernt und gelangen
so als Gartenauswurf in die Natur. Über Vinca- und Miscanthus-Taxa, die eine große
Einbürgerungstendenz besitzen und deren Verhalten unter den neuen Bedingungen in der
Umgebung von Salzwedel (Altmark) größtenteils über mehrere Jahre verfolgt wurde, soll
nachstehend berichtet werden.