Vergleich des exzentrischen und des exzentrisch-konzentrischen Krafttrainings - Transfer unterschiedlicher Kraftparameter und neuronaler Parameter nach sechs Wochen isoinertialen Trainings

Der zweckmäßige Einsatz der Skelettmuskulatur stellt in alltäglichen Bewegungen und im
Sport ein zentrales Thema dar. Zur Ausführung unterschiedlicher Bewegungsziele verfügt die
Muskulatur über verschiedene Arbeitsweisen, welche wiederum durch einzigartige neuronale
Aktivierungsmuster realisiert werden. Bei der negativen Arbeitsweise, der Exzentrik, ist die
innere Kraft der Muskulatur kleiner als die äußere Kraft des Widerstandes, wodurch die
aktivierte Muskulatur in die Länge gezogen wird. Da hierbei durch das neuromuskuläre System
die höchsten Kraftwerte erzielt werden, wird die Muskulatur unter exzentrischen Bedingungen
einer sehr hohen Spannung ausgesetzt. Dies stellt eine wesentliche Voraussetzung für die
Kraftsteigerung und Muskelhypertrophie dar. Deshalb befürworten Trainer und Autoren
vielfach den Einsatz maximaler und supramaximaler exzentrischer Trainingsmethoden, um das
Kraftvermögen in verschiedenen leistungssportlichen Disziplinen zu steigern. Ebenso wird
diese Form des Trainings in präventiven und rehabilitativen Bereichen eingesetzt, um vor
allem das Muskel-Sehnen-System zu kräftigen.
Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Kontraktionsbedingungen und Effektivität des
exzentrischen und konventionellen Krafttrainings zu vergleichen. Gleichermaßen war der
Leistungstransfer auf eine funktionale mehrgelenkige Übung von besonderem Interesse. An der
dazu durchgeführten Untersuchung nahmen 56 Probanden teil, wovon fünf aufgrund
unerwarteter zeitlicher sowie verletzungsbedingter Ausfälle nicht das Ende der Untersuchung
erreichten. In die Auswertung gelangten demnach 51 Probanden, davon 19 der exzentrischen
Trainingsgruppe (ETG), 17 der konventionellen Trainingsgruppe (KTG) und 15 der
Kontrollgruppe (KON). Letztere absolviert lediglich die Ein- und Ausgangstests. Vor, während
und nach einem sechswöchigen Trainingszyklus am Beinstrecker wurden die exzentrische und
konzentrische Maximalkraft sowie das Dreier-Wiederholungsmaximum an der Beinpresse
ermittelt. Zur weiteren Analyse wurden bei diesen Tests die mittlere myoelektrische Aktivität
(ARV) und Medianfrequenz (MDF) aus dem Oberflächen-EMG des m. vastus lateralis, m.
vastus medialis und des m. rectus femoris aufgezeichnet. Von einer Teilgruppe aller
Trainingsgruppen wurden zudem Veränderungen der Sprunghöhen aus Countermovement
Jump (CMJ) und Squat Jump (SJ) ermittelt.
Beide Interventionsgruppen trainierten zweimal wöchentlich mit 5 Sätzen zu je 8
Wiederholungen am Beinstrecker. Der ETG wurde das Gewicht manuell angereicht, welches
nach erfolgter Übergabe langsam und kontrolliert (maximal 25 °/Sekunde) von der gestreckten
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in die gebeugte Position geführt werden sollte. Die KTG führte das Gewicht ohne weitere
Beschränkungen von der gebeugten in eine vordefinierte gestreckte Position und wieder
zurück. Zur statistischen Auswertung wurden die Daten der Kontraktionsbedingungen des
Eingangstests mittels t-Test für abhängige Stichproben analysiert. Zum Vergleich der
Trainingsanpassungen wurde eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung und
bei signifikantem F-Wert der post-hoc Test nach Scheffé durchgeführt. Dabei wurden die
Steigerungsraten der Trainingsgruppen an den Veränderungen der KON relativiert. Das
Signifikanzniveau wurde auf p ≤ 0,05 gesetzt.
Vor der Trainingsintervention lag die exzentrische Maximalkraft aller Probanden durchschnittlich
35,63 % über der konzentrischen und wurde begleitet von einer geringeren ARV
und MDF. Durch beide Trainingsformen wurde die exzentrische Maximalkraft erhöht, jedoch
fiel der Anstieg der ETG (35,41 %) signifikant größer aus als jener der KTG (24,48 %). Im
Gegensatz dazu konnte die konzentrische Maximalkraft jedoch nur von der KTG signifikant
gesteigert werden (19,92 %). Zum Vergleich ETG: 8,10 %. Das Dreier-Wiederholungsmaximum
an der Beinpresse wurde in beiden Gruppen im ähnlichen Ausmaß signifikant erhöht
(ETG 19,92 % vs. KTG 16,08 %). Die Analyse der Sprungkraftsteigerungen im CMJ (KTG
4,54 % vs. ETG 3,21 %) sowie im SJ (KTG 5,14 % vs. ETG 2,70 %) hingegen erbrachte keine
signifikanten Steigerungen oder Unterschiede zwischen den Gruppen.
Die festgestellten Entwicklungen der Kraftwerte lassen sich auf Grund der relativ kurzen
Interventionsdauer überwiegend auf Anpassungen der intramuskulären Koordination
zurückführen, welche durch einen Anstieg der ARV kenntlich wird. Dieser ARV-Anstieg fiel
besonders bei der exzentrischen Maximalkraft auf, was auf einen trainingsbedingten Rückgang
der Inhibition schließen lässt. Einen signifikanten Rückgang der MDF in allen Tests erzielte
lediglich die ETG, dies jedoch nur für den m. rectus femoris. Signifikante Veränderungen der
KTG oder Unterschiede zwischen den Trainingsgruppen blieben hier aus.
So führten beide Trainingsprogramme zu spezifischen Anpassungen der Kraft und
myoelektrischen Aktivitätsmuster. Bezüglich der kumulierten Kraftsteigerung, des
Leistungstransfers und der Veränderung der myoelektrischen Aktivität konnte jedoch keine
Überlegenheit der exzentrischen Trainingsform herausgestellt werden. Aus ökonomischer Sicht
bietet die exzentrische Methode allein keine genügende Vorbereitung auf primär konzentrische
Bewegungsaufgaben. Die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass das exzentrische Training zu
äußerst spezifischen Anpassungen führt, welche bei der Trainingsplanung zielgerichtet
Berücksichtigung finden sollten.

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Metadaten
Author:Björn Zimmermann
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-275499
Referee:Klaus Wirth, Dietmar Schmidtbleicher
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):13.11.2012
Date of first Publication:01.01.2012
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Univ. Frankfurt am Main
Date of final exam:01.01.2012
Pagenumber:269 S.
Institutes:Sportwissenschaften
Dewey Decimal Classification:790 Freizeitgestaltung, darstellende Künste, Sport
Sammlungen:Universitätspublikationen
Note:
Diese Dissertation steht außerhalb der Universitätsbibliothek leider (aus urheberrechtlichen Gründen) nicht im Volltext zur Verfügung, die CD-ROM kann (auch über Fernleihe) bei der UB Frankfurt am Main ausgeliehen werden.
Licence (German):License LogoArchivex. zur Lesesaalplatznutzung § 52b UrhG

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