Bewertung von Waldprojekten zur Emissionsminderung hinsichtlich des gesamtökologischen und des sozialen Nutzens: Vorarbeiten für allgemein akzeptierte Leistungsindikatoren

Allgemein ist anerkannt, dass gute Kompensationsprojekte nicht nur Kohlenstoff festlegen, sondern möglichst weitere Nachhaltigkeitsleistungen aufweisen, die jedoch bisher bei der Durchführung und der Bewertung der Projek
Allgemein ist anerkannt, dass gute Kompensationsprojekte nicht nur Kohlenstoff festlegen, sondern möglichst weitere Nachhaltigkeitsleistungen aufweisen, die jedoch bisher bei der Durchführung und der Bewertung der Projekte häufig nicht angemessen berücksichtigt werden. In der vorliegenden Untersuchung wird erhoben, ob brauchbare Indikatoren vorliegen, die zur Bewertung weiterer ökologischer und sozialer Nutzen derartiger Projekte verwendet werden können.
Um den Kritiken gegenüber Waldprojekten zu begegnen, sollten Indikatoren zur Bewertung der Projekte möglichst so gewählt werden, dass sich mit ihnen auch räumliche Verlagerungseffekte erfassen lassen. Ebenso wichtig ist die Betrachtung ausreichender Zeiträume Waldprojekte haben aufgrund der langen Lebensdauer von Bäumen eine längere Laufzeit, als sie derzeit in vielen Bewertungssystemen berücksichtigt wird. Der langfristige Sequestrierungseffekt eines Projektes hängt entscheidend davon ab, ob das Holz alter Bäume im Wald wieder in den Kohlenstoffkreislauf kommt oder dem Wald entzogen wird. Bei ausschließlicher energetischer Nutzung des Holzes und auch bei Verarbeitung zu Zellstoff, Papier und Pappe wird kurze Zeit nach der Holzernte wieder Kohlendioxid freigesetzt. Dagegen schlagen langlebige Nutzungen des Holzes und insbesondere eine tatsächliche Substitution von Produkten aus Erdöl und Erdgas positiv zu Buche.
Wichtige Zusammenhänge bestehen zwischen dem Kohlendioxid-Minderungspotential von Waldprojekten und deren erheblichen ökologischen und sozialen Nutzen; diese entstehen bei optimalem Management in einer Art Ko-Produktion und sollten bewusst gestaltet werden; entsprechende Trade-offs sind bekannt.
Für die Beschreibung der gesamtökologischen und der sozialen Leistungen von Waldprojekten kann weitgehend auf bereits bekannten Kriterien aufgebaut werden; sie sollten aber um die Betrachtung der relevanten Ökosystemdienstleistungen ergänzt werden. Die Kohlenstofffestlegung ist eng mit zahlreichen dieser Ökosystemdienstleistungen (z.B. Humusbildung, Pufferungspotential gegenüber Stickstoff usw.) verknüpft. Waldprojekte mit hoher Biodiversität sind zudem in der Regel besser in der Lage, das Kriterium der Permanenz eines Kohlenstofflagers zu erfüllen. Auch lassen sich über die Ökosystemdienstleistungen bisher ausgeblendete sozio-kulturelle Dimensionen besser als bisher einbeziehen.
Auf diese Weise lässt sich die Darstellung der Nachhaltigkeitsleistung von Waldprojekten auf eine breitere Basis als bisher stellen – sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht können die Kriterienkataloge der bisherigen Standards erweitert werden, die besonders auf Umweltwirkungen und sozioökonomische Effekte abheben. In den meisten Fällen sind bereits ausreichend geeignete Indikatoren bzw. Parameter vorhanden, um weitere wichtige Leistungen der Waldprojekte nachvollziehbar zu beschreiben. Für einige der betrachteten Dimensionen und Kriterien sind bisher noch keine Indikatoren vorhanden; zumeist gibt es aber auch dort Parameter, die Situationen anzeigen, welche unter Umständen genauer betrachtet werden müssten.
Bisher liegen keine allgemein anerkannten Standards hinsichtlich der Nachhaltigkeitskriterien von Waldprojekten vor. Eine neuerliche Debatte über eine Erweiterung des Kriteriensets ist notwendig, damit die zugehörigen Leistungsindikatoren allgemein akzeptiert werden. Diese Diskussion sollte jenseits der Nachhaltigkeitsleistungen der Waldprojekte selbst auch deren Vergleichbarkeit mit technischen Kompensationsprojekten im Blick haben. Die Kriteriendebatte war bisher durch die technischen Projekte dominiert und leider auch auf deren Bewertung verengt. Anders als technische Projekte haben Waldprojekte häufig sowohl für den Naturhaushalt als auch für die Gesellschaft viele weitere Nutzen, die eine nachhaltige Entwicklung begünstigen. Diese werden aber bisher nur unzureichend für die Qualitätssicherung und Kommunikation der Projekte genutzt.
Analog zum Gold Standard (GS) sollten die diskutierten Kriterien zu einem Standard für Waldprojekte verknüpft werden, mit dem sich die Nachhaltigkeitsleistungen dieser Kompensationsprojekte verlässlich bestimmen und überprüfen lassen. In Testläufen könnten die identifizierten Kriterien und Indikatorvorschläge erprobt und dabei modifiziert bzw. verfeinert werden.
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Due to carbon sequestration and storage capacity, forestry projects are recognized climate change mitigation measures. When assessing the strengths and weaknesses of carbon mitigation projects, forestry projects are freq
Due to carbon sequestration and storage capacity, forestry projects are recognized climate change mitigation measures. When assessing the strengths and weaknesses of carbon mitigation projects, forestry projects are frequently compared to other types of mitigation projects, i.e. technical projects. However, such a comparison is considerably difficult due to the fundamental differences of the project types. Comparative assessments tend to focus on the potential of reducing emissions or enhancing the sequestration of carbon, while ignoring social and ecological sustainability criteria. They often lack a coherent set of evaluation criteria. The compulsory carbon market, with the Clean Development Mechanism as one of its major tools, leaves it to the project host countries to define sustainability criteria, and on the voluntary carbon market, a whole set of different standards with different sustainability criteria has emerged, with its leading Gold Standard not at all applicable for forestry projects. In order to assess and compare the impacts of climate change mitigation projects – including additional social and ecological benefits – a coherent set of evaluation criteria is necessary. The paper at hand analyzes suitable criteria for the assessment of forestry projects in terms of climate mitigation potential, additional ecological benefits – like biodiversity and ecosystem services – and additional social benefits. The potential of existing indicators is reviewed and major differences to technical projects are identified. To conduct a coherent assessment of the sustainability of forestry projects, there is a need to use complementary indicators that will more accurately reflect the value of forestry projects.
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Metadaten
Author:Lasse Loft, Engelbert Schramm
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-301246
ISSN:2192-1571
Parent Title (German):Biodiversität- und -Klima-Forschungszentrum: BiK-F knowledge flow papers, Nr. 14
Series (Serial Number):BiK-F Knowledge Flow Paper (14)
Publisher:BIK-F
Place of publication:Frankfurt, M.
Document Type:Periodical Parts
Language:German
Year of Completion:2011
Year of first Publication:2011
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2013/06/28
Pagenumber:26
First Page:1
Last Page:26
HeBIS PPN:348825722
Institutes:Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Dewey Decimal Classification:570 Biowissenschaften; Biologie
333.7 Natürliche Ressourcen, Energie und Umwelt
Sammlungen:Universitätspublikationen
Sondersammelgebiets-Volltexte
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $