Zeitpunkt der Kranioplastik nach supratentorieller dekompressiver Kraniektomie : eine retrospektive Analyse

Die supratentorielle dekompressive Kraniektomie mit Eröffnung und Erweiterungsplastik der Dura mater ist heutzutage eine wichtige Therapiemaßnahme in der Behandlung des konservativ nicht kontrollierbaren Hirndrucks. Unte
Die supratentorielle dekompressive Kraniektomie mit Eröffnung und Erweiterungsplastik der Dura mater ist heutzutage eine wichtige Therapiemaßnahme in der Behandlung des konservativ nicht kontrollierbaren Hirndrucks. Unter Kranioplastik versteht man den chirurgischen Verschluss des entstandenen Knochendefekts zum Schutz des direkt unter der Kopfhaut liegenden Gehirns, zur ästhetischen Wiederherstellung der Konturen sowie zur Verbesserung einer neurologischen Symptomatik („syndrome of the trephined“).
In der vorliegenden Arbeit werden die Daten von insgesamt 242 Patienten, die einer Kranioplastik unterzogen worden waren, retrospektiv analysiert. Die Patienten wurden im Zeitraum 2001-2008 in der neurochirurgischen Abteilung der Städtischen Kliniken Frankfurt am Main-Höchst operiert. Um Aufschluss über das postoperative, funktionelle und kosmetische Ergebnis zu erhalten, wurde im Anschluss an die Aktenauswertung bei diesen Patienten eine telefonische Befragung durchgeführt.
Ziel der Arbeit war es, die bisherigen Erfahrungen der Kalottenplastik und insbesondere der autogenen orthotopen Knochendeckelreimplantation im Hinblick auf die verschiedenen Kranioplastik Zeitpunkte zu untersuchen und unter klinischen Aspekten zu bewerten.
Die Frage des Kranioplastik Zeitpunktes ist essentiell für die Therapieplanung.
Das autologe Schädelknochentransplantat hat bessere Eigenschaften und Qualitäten als alle anderen alloplastischen Materialien. In Anbetracht der perfekten Histokompatibilität, der optimalen biomechanischen Eigenschaften, der guten anatomischen Fusion mit dem umgebenden Knochen und der Möglichkeit der partiellen oder totalen Revitalisation des Transplantats, besteht kein Zweifel, dass der autologe Knochen immer zu verwenden ist, wenn die Möglichkeit dazu besteht.
Die Analyse der Patientengruppen ergab, dass die ultra frühe Kranioplastik der Patienten mit großen Defekten nach dekompressiver Kraniektomie ein besseres Outcome im langfristigen Follow-up hat. Diese Patienten hatten keine gesteigerte Infektions- oder andere Komplikationsraten. Das Timing der Kranioplastik spielt eine Rolle in der Komplikationsrate nur bei den Patienten, die sekundär eine Komplikation erlitten haben. Patienten, die nach der Kraniektomie eine Nachblutung, einen Infarkt oder eine Infektion erlitten haben, hatten eine signifikant höhere Infektionsrate bei ultra früher Kranioplastik. Insbesondere soll betont werden, dass der Trend einer Häufung von Wundheilungsstörungen und Infektionen mit der Folge einer erneuten Explantation des Knochendeckels bei Patienten nach autogener Knochendeckelreimplantation mit mehr als 2 Risikofaktoren und bei Patienten mit kompliziertem Verlauf nach Kraniektomie festgestellt wurde.
Gemäß den Ergebnissen dieser Patientenserie kann die ultra frühe Kranioplastik bei ausgewählten Patienten mittels Reimplantation des Eigenknochens als ein sicheres und hilfreiches Verfahren für die schnellere Rehabilitation und Besserung der neurologischen Funktion und der Prognose bewertet werden. Ähnlich gute Ergebnisse zeigten die Pantienten in der Gruppe 1 der ultra frühen Kranioplastik die aufgrund einer Liquorzirkulationsstörung ein VP Shunt System als kombinierte Therapie in der gleichen Sitzung erhalten haben.

Somit kann zusammenfassend festgehalten werden:

Die Ergebnisse dieser Arbeit bestätigen, dass die Kranioplastik nach einer supratentoriellen dekompressiven Kraniektomie mit Reimplantation des eigenen Schädelknochens zum frühesten möglichen Zeitpunkt ein sicheres und effektives Verfahren darstellt und bei ausgewählten Patienten sogar bessere Ergebnisse als die späte Kranioplastik haben kann. Eine mögliche Erklärung dafür könnte das Auftreten und die Persistenz von neurologischen Defiziten im Rahmen des „syndrome of the trephined“ bei Patienten bieten, bei denen eine späte Kranioplastik durchgeführt wurde. In diesem Patientengut hatten die Patienten mit ultra-früher Kranioplastik das beste neurologische Outcome, die Komplikationsrate war in allen Gruppen vergleichbar.
Um Komplikationen zu vermeiden, sollten Patienten mit einer vorausgegangenen lokalen Infektion spät kranioplastiert werden.
Das neurologische Outcome der Patienten, bei denen ein kombiniertes Verfahren Kranioplastik –VP Shunt durchgeführt wurde, war vergleichbar mit anderen Patientengruppen. Somit ist eine Kranioplastik bei Patienten mit konvexen, über Kalottenniveau prolabierten Kraniektomielappen aufgrund eines Hydrocephalus keine Kontraindikation.
show moreshow less
Decompressive craniectomy is a worthy additional tool to manage intracranial hypertension refractory to other treatments. However, after resolution of the intracranial hypertension, these skull defects should be appropri
Decompressive craniectomy is a worthy additional tool to manage intracranial hypertension refractory to other treatments. However, after resolution of the intracranial hypertension, these skull defects should be appropriately treated. Cranioplasty can successfully repair such large defects not only by improving the patient’s cosmetic, but also by protecting the uncovered brain tissue. The therapeutic impact of this procedure can be clearly assessed in patients with the “syndrome of the trephined” (also called “sinking skin flap syndrome”).
At the present, there are no recognized cranioplasty guidelines, neither for the timing nor for the materials to be employed in this surgical procedure.  On the other side, large cranial defects may lead to disturbance of the cortical blood perfusion and impair the cerebrospinal fluid circulation delaying the patient’s clinical recovery.
This study retrospectively reviewed 242 consecutive patients who underwent cranioplasty in the last 7 years at the neurosurgical department of the SKFH. The indications for craniectomy, the timing and materials employed for the cranial repair procedures were analysed in all patients as well as their early and long-dated prognosis. The patients were divided into three groups depending on the timing of the cranioplasty (ultra early group until 6 weeks, early group 7 to 12 weeks and delayed group after 13 weeks following craniectomy).
The immediate patient’s outcome after cranioplasty was assessed reviewing medical records and the late outcome was evaluated with a telephone questionnaire. The group’s comparison revealed that the immediate outcome of patients with early cranioplasty was better than those from the other groups. Patients with disturbance of consiousness who showed a rush recovery and improvement of their neurological function following cranioplasty represented 78.8%, 46 % and 12 % of the ultra early, early and delayed cranioplasty groups respectively. The late outcome (6 months after cranioplasty) was also better in patients who underwent an early cranioplasty. This study found a good late outcome (independent patients with a GOS 4 or 5) in 84.4 %, 40.3 % and 20.6 % of the ultra early, early and delayed cranioplasty groups respectively. 
The analysis of the registered postoperative complications revealed that there were not significant differences between the examined groups.
This study found that ultra early cranioplasty by re-implanting the own previously removed and frozen skull bone, was a safe and helpful strategy. This led to a rush improvement of the patient’s neurological function and late outcome. An appropriated patient’s selection and differentiation was an important key for an additional improvement of the neurological results in this group. The outcome from patients who underwent a combined cranioplasty and ventriculo-peritoneal shunt procedure was comparable with those of other groups. This implicates that cranioplasty is not contraindicated and should not be delayed in patients with hydrocephalus related convex skin flap craniotomy defects.
show moreshow less

Export metadata

  • Export Bibtex
  • Export RIS

Additional Services

    Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Author:Eleftherios Archavlis
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-335688
Publisher:Univ.-Bibliothek
Place of publication:Frankfurt am Main
Referee:Mario N. Carvi y Nievas, Zacharowski Kai
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2014/04/13
Year of first Publication:2009
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Universität
Date of final exam:2010/05/04
Release Date:2014/04/17
Pagenumber:137
Last Page:135
HeBIS PPN:341371580
Institutes:Medizin
Dewey Decimal Classification:610 Medizin und Gesundheit
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $