Microfinance als Geflecht von Anreizproblemen

Während sich die Entwicklungsfinanzierung in Theorie und Praxis generell mit dem Finanzwesen in Entwicklungs- und Transformationsländern befasst, steht im Teilgebiet der Microfinance die Frage im Vordergrund, wie in dies
Während sich die Entwicklungsfinanzierung in Theorie und Praxis generell mit dem Finanzwesen in Entwicklungs- und Transformationsländern befasst, steht im Teilgebiet der Microfinance die Frage im Vordergrund, wie in diesen Ländern der Zugang ärmerer Bevölkerungsgruppen und speziell von Klein- und Kleinstunternehmer(innen), Kleinbauern und sonstigen wirtschaftlich Selbständigen aus eher niedrigen sozialen Schichten zu Kredit und anderen Finanzdiensleistungen verbessert werden kann. Obwohl es einige Vorläufer gibt, die schon früh die allgemeine Politik der Entwicklungsländer bezüglich ihrer Finanzsektoren und ebenso die dazu passende Entwicklungshilfe-Politik der Industrieländer der 60er und 70er Jahre mit ökonomisch-theoretischen Argumenten scharf kritisiert haben,1 waren in der Vergangenheit weder Entwicklungsfinanzierung im allgemeinen noch Microfinance im besonderen ein wirklich ernst genommener Gegenstand der ökonomischen Literatur, die man zum mainstream rechnen kann. Dem entspricht es, dass sich auch die Praxis der Entwicklungsfinanzierung sehr lange weitgehend unabhängig von ökonomisch- theoretischen Überlegungen vollzogen hat. Diese Situation hat sich seit mehr als einem Jahrzehnt grundlegend verändert. Dies hat einen wesentlichen Grund darin, dass sich in der entwicklungspolitischen Praxis auf dem Gebiet der Finanzierung von Klein- und Kleinstbetrieben, eben Microfinance, Erfolge erzielen ließen, die vorher unvorstellbar waren. Mit einer deutlichen commercial orientation und einer Ausrichtung auf die genuinen Probleme des financial institution building konnte erreicht werden, dass es inzwischen einige Dutzend Finanzinstitutionen in Entwicklungs- und Transformationsländern gibt, die ökonomisch stabil und sogar profitabel sind und mit ihrem Leistungsangebot eine große Anzahl von "armen" Kunden erreichen, die bei den Kreditabteilungen der herkömmlichen Banken kaum über die Schwelle gelassen würden.2 Dies hat die Aufmerksamkeit von Forschern aus dem mainstream erweckt. Mindestens ebenso wichtig sind aber die immanenten Entwicklungen innerhalb der ökonomischen Theorie. Mit ihrer Hinwendung zum institutionalistischen Denkansatz hat die Wirtschaftstheorie auf einmal eine neue Aufmerksamkeit für die Phänomene entwickelt, die für die Praktiker der Entwicklungsfinanzierung seit langem von zentraler Bedeutung sind: Inzwischen kann man theoretisch nachweisen, dass es in der Tat Zugangsprobleme zu Kredit für "kleine Leute" gibt, dass das Angebot von Kredit für sie beschränkt ist und dass es nicht genügt, einfach nur staatlich auferlegte Restriktionen – die so genannte financial repression – zu beseitigen, um ....
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Access to loans and other financial services is extremely valuable for micro-, small- and medium-sized enterprises in developing and transition countries as it enables their owners as well as their employees to exploit t
Access to loans and other financial services is extremely valuable for micro-, small- and medium-sized enterprises in developing and transition countries as it enables their owners as well as their employees to exploit their economic potential and to increase their income. Although this insight has lead development aid institutions to undertake many attempts to create sustainable microfinance institutions, only a small fraction of these has been successful so far. This article analyses what determines the success of attempts to provide financial services in general, and credit in particular, to low income target groups in these countries. We argue that it is crucial to understand, and to mitigate or even eliminate in practice, the serious and numerous incentive problems at the level of the lending operations as well as those at the levels of the human resource management and the governance of microfinance institutions. We attempt to show moreover, that unsolved incentive problems at only one level will ultimately undermine any potential success at the other levels. In our paper, we first analyse information and incentive problems from a theoretical perspective, using and extending the well-known Stiglitz-Weiss model of credit rationing, and derive theoretical requirements for solutions of these problems. In the light of these considerations, we then discuss how problems are solved in practice. Section 3 deals with the credit relationship. Section 4 extends the argument by showing how incentive problems within the institution can be handled, and section 5 analyses corporate governance-related problems of development finance institutions as incentive problems. In section 6 it is demonstrated why, and how, the incentive problems at the different levels, as well as their solutions, are interrelated. From this we derive the proposition that, as the institutional devices for dealing with these problems constitute a complementary system, any sustainable solution requires consistent arrangements of all elements and at all levels of the system. In the last section we will show the potential of strategic networks to set up institutions which we consider to be consistent systems for successfully solving the problems at all three levels simultaneously. JEL classification: O 16, 17
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Metadaten
Author:Reinhard H. Schmidt, Ingo Tschach
URN:urn:nbn:de:hebis:30-16758
Series (Serial Number):Working paper series / Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften : Finance & Accounting (087)
Document Type:Working Paper
Language:German
Date of Publication (online):2005/09/28
Year of first Publication:2001
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Release Date:2005/09/28
Tag:Development finance ; corporate governance ; credit rationing ; institution building ; networks
Source:Working paper series / Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften : Finance & Accounting ; 87
HeBIS PPN:201416794
Institutes:Wirtschaftswissenschaften
Dewey Decimal Classification:330 Wirtschaft
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

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