Ius sacrum. Giorgio Agamben und das nackte Recht

Why does Giorgio Agamben not tell and analize in his Homo Sacer the famous story of Franz Kafka "In the penal colony" – although he is an outstanding knower of Kafka’s work and treat this work in detail in his book? In t
Why does Giorgio Agamben not tell and analize in his Homo Sacer the famous story of Franz Kafka "In the penal colony" – although he is an outstanding knower of Kafka’s work and treat this work in detail in his book? In the course of the answer to this question we discuss the complex relationship between law and life. One assumption will be cristallized: Behind Agamben’s dogma of the indistinguishability of law and life (with all the awful consequences for the human living together) in the Homo Sacer is hidden a concept of law that is based on a value-judgement that demands from law to much and to few (not enough) in the same time. To much - considering the dangers that precisely a "good" law burdens in himself, also a law, that is decipherable, understandable and so (for Agamben) distinguished from life. To few (not enough) - considering the advantages that precisely offers a functional differenciated law, also a law that is formal, undecipherable, ununderstandable and so (for Agamben) undistiguished from life.
show moreshow less
"Nun stand er nackt da." Bloßes, entblößtes, reines Leben. Das alte Gerichtsverfahren überzeugte nicht mehr. Der Offizier, der die Urteile vollstreckt hatte, die der hergebrachten Prozedur entsprungen waren, erkannte, da
"Nun stand er nackt da." Bloßes, entblößtes, reines Leben. Das alte Gerichtsverfahren überzeugte nicht mehr. Der Offizier, der die Urteile vollstreckt hatte, die der hergebrachten Prozedur entsprungen waren, erkannte, dass es nun Zeit war, das Ende des Verfahrens selbst zu vollstrecken.Mit Hilfe der Maschine, die er so liebte und die den Verurteilten die Urteile auf den Leib, den nackten Leib, geschrieben hatte. Es war, wie es immer gewesen war. Der Offizier hörte sich die Angaben an und fällte sofort das Urteil. Weitere Nachforschungen, gar Vorladungen, Befragungen hätten die Sache nur kompliziert. Lüge hätte sich an Lüge gereiht und am Ende wäre nur Verwirrung entstanden. Dabei war alles sehr einfach. "Die Schuld ist immer zweifellos." Jedenfalls hatte dieser Grundsatz, nach dem der Offizier entschied, unter dem alten Kommandanten uneingeschränkte Gültigkeit gehabt. Der Kommandant hatte die Urteilsarten in einer Mappe mit eigenen Handzeichnungen – er war Soldat, Richter, Konstrukteur, Chemiker und Zeichner – aufbewahrt. Die Verurteilten kannten ihr Urteil nie. Es wurde ihnen nicht verkündet. Wozu auch? Sie erfuhren es auf ihrem Leib. ...
show moreshow less

Download full text files

Export metadata

  • Export Bibtex
  • Export RIS

Additional Services

    Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Author:Rainer Maria Kiesow
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-531140
DOI:http://dx.doi.org/10.12946/rg01/056-070
ISSN:2195-9617
ISSN:1619-4993
Parent Title (Multiple):Rechtsgeschichte = Legal History
Publisher:Klostermann
Place of publication:Frankfurt, M.
Contributor(s):Marie Theres Fögen
Document Type:Article
Language:German
Year of Completion:2002
Year of first Publication:2002
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2020/03/16
Volume:1
Pagenumber:17
First Page:56
Last Page:70
Note:
Dieser Beitrag steht unter einer Creative Commons cc-by-nc-nd 3.0
HeBIS PPN:464120888
Institutes:Rechtswissenschaft
Dewey Decimal Classification:340 Recht
830 Literaturen germanischer Sprachen; Deutsche Literatur
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License LogoCreative Commons - Namensnennung-Nicht kommerziell-Keine Bearbeitung 3.0

$Rev: 11761 $