Zwischen Bilateralismus und Multilateralismus : die Zentralasienpolitik der Volksrepublik China

Between bilateralism and multilateralism : the Central Asia policy of the People's Republic of China

Die Außenpolitik der Volksrepublik China (VRC) ist im Wandel begriffen. Nur ein – wenngleich wesentlicher – Ausdruck dessen ist die erst seit wenigen Jahren zu beobachtende Entwicklung, dass sich die VRC vermehrt multila
Die Außenpolitik der Volksrepublik China (VRC) ist im Wandel begriffen. Nur ein – wenngleich wesentlicher – Ausdruck dessen ist die erst seit wenigen Jahren zu beobachtende Entwicklung, dass sich die VRC vermehrt multilateralen Institutionen zuwendet und diese mittlerweile zum Teil gar selbst initiiert. Dieser Trend stellt eine radikale Kehrtwende gegenüber dem dar, was die VRC seit ihrer Gründung 1949 noch bis weit in die 1990er-Jahre hinein mit Multilateralismus (ML) assoziiert hat – nämlich Mechanismen zur Strafung und Einengung der VRC. Doch welche praktische Bedeutung kommt multilateralen Wirkungsweisen innerhalb der chinesischen Außenpolitik in jüngster Zeit tatsächlich zu? Die vorliegende Magisterarbeit beschäftigt sich mit dieser Fragestellung, indem sie zu analysieren sucht, welche Rolle multilaterale Strukturen – im Gegensatz zu bilateralen – bei der Implementierung chinesischer außenpolitischer Interessen spielen. Dies geschieht anhand eines einzigartigen Fallbeispiels, und zwar der chinesischen Zentralasienpolitik, innerhalb der wiederum die Shanghai Cooperation Organization (SCO) eine herausragende Stellung einnimmt. Diese Organisation ist das einzige multilaterale Forum, an dem die VRC von Beginn an als der maßgebende Akteur im Hinblick auf ideelle, konzeptionelle und inhaltliche Belange teilgenommen hat. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Untersuchung ein Höchstmaß an Einblicken in den tatsächlich intendierten Zweck des chinesischen ML zu liefern vermag. Die Analyse zeigt, dass multilaterale Vorgehensweisen in quantitativer Hinsicht seit Gründung der SCO im Jahre 2001 stark zugenommen haben, und das auf allen vier identifizierten Hauptinteressensgebieten der VRC in Zentralasien: Sicherheit, Wirtschaft, Energie und Geopolitik. Mit Blick auf die qualitative Komponente ist indessen zu konstatieren, dass dem ML, den China in der Region praktiziert, einige negativ behaftete Charakteristika zu eigen sind. Die Attribute „flexibel“, „selektiv“, „flach“ und „instrumentalisiert“, die derzeit weitgehend als prägend für den chinesischen ML in seiner Gesamtheit angesehen werden, besitzen auch – und gerade – in Zentralasien ihre Gültigkeit. Insgesamt fällt auf, dass die VRC multilaterale Strategien nur dann verfolgt, wenn der kurzfristige Eigennutzen über den bilateraler Mechanismen hinausgeht. Und auch dann hört der Rückgriff auf ML dort auf, wo der eigene Gewinn ein Maximum erreicht. Somit bleiben die chinesischen Machthaber den Praxisbeweis einer integrativen Funktion von ML noch schuldig.
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Observers of Chinese foreign affairs have lately witnessed an era of shifting patterns. One of the salient aspects of these changes has been China’s recent embrace of multilateralism. However, what is the practical meani
Observers of Chinese foreign affairs have lately witnessed an era of shifting patterns. One of the salient aspects of these changes has been China’s recent embrace of multilateralism. However, what is the practical meaning of this newly developed multilateral di-plomacy within the broader set of China’s foreign policy tools? The following master thesis revolves around this issue by analyzing the role multilateral structures play as opposed to bilateral ones in implementing China’s foreign policy objectives. In pursuing that task, this piece of work deconstructs a singular case study, namely China’s policy towards Central Asia under special consideration of the Shanghai Cooperation Organization (SCO). This organization constitutes the only multilateral forum in which China has continuously acted from a leading position in terms of ideology, structuring, and agenda-setting. Analyses show that since the foundation of the SCO in 2001, China’s multilateral involvement in the region has grown rapidly. However, with regard to qualitative features, it becomes evident that China follows multilateral thrusts only when short-term benefits exceed those of bilateral transactions and, in addition, that China’s multilateral diplomacy never goes beyond the point of self-profit maximization
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Metadaten
Author:Sebastian Biba
URN:urn:nbn:de:hebis:30-68039
Referee:Susanne Weigelin-Schwiedrzik, Dorothea Wippermann
Document Type:Magister's Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2009/08/10
Year of first Publication:2009
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Universität
Release Date:2009/08/10
Tag:Chinesische Außenpolitik
Central Asia ; China ; China's Foreign Policy ; Multilateralism ; Shanghai Cooperation Organization
SWD-Keyword:China ; Multilateralismus ; Shanghai Cooperation Organisation; Zentralasien
HeBIS PPN:21464183X
Institutes:Kulturwissenschaften
Dewey Decimal Classification:320 Politikwissenschaft
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

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