Therapie der Haarzell-Leukämie : Vergleich der Lebensqualität und Verträglichkeit der beiden Therapiemodalitäten Alpha-Interferon und 2-Chlorodeoxyadenosin / von Fouzia Castillo Miranda, geb. Amraoui

Die Haarzell-Leukämie ist eine niedrigmaligne Iymphoproliferative Leukämie der BZell reihe mit sehr guten Therapiemöglichkeiten. Zur Erfassung der Lebensqualität und Verträglichkeit der bei den Therapieformen 2-Chlorodeo
Die Haarzell-Leukämie ist eine niedrigmaligne Iymphoproliferative Leukämie der BZell reihe mit sehr guten Therapiemöglichkeiten. Zur Erfassung der Lebensqualität und Verträglichkeit der bei den Therapieformen 2-Chlorodeoxyadenosin und lphaInterferon haben wir sowohl die Patienten (mittels des standardisierten EORTC QLQC30- Fragebogens) als auch behandelnde Ärzte (mittels eines selbst konzipierten Fragebogens) deutschlandweit befragt. Es haben 202 Patienten und 74 Praxen (mit Erfassung von insgesamt 189 Patienten) geantwortet. Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß in unserer befragten Patientenkohorte unter 2-CdA hohe komplette Remissionsraten erzielt werden konnten (CR 85%), darunter bei über 90% mit nur einem Zyklus 2-CdA. Lediglich ein Patient zeigte kein Ansprechen auf die Cladribintherapie. Sowohl in der Literatur als auch in unserer Untersuchung ist die Rezidivrate gering. Die Progressionsfreiheit nach 7 Jahren wird in der Literatur mit 60% beschrieben, wohingegen 77% der Interferonpatienten nach einem Median von 31 Monaten ein Rezidiv erleiden.B9 In unserer Umfrage wurde bei 2-CdA eine Gesamtremissionsrate von 98.2% erreicht (CR 80%), wobei die Mehrzahl der Patienten nur einen Zyklus zum Erreichen der CR benötigte. Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, daß dies mit 2-CdA bei der Mehrzahl der Patienten schon nach einem Zyklus möglich war, ein Phänomen, welches in der Chemotherapie bei Krebspatienten nicht häufig vorkommt. Demgegenüber steht die komplette Remissionsrate von 20% bei den mit Interferon therapierten Patienten. In unserer Befragung hatten zum Zeitpunkt der Datenerhebung 50% der Interferonpatienten ein Rezidiv erlitten. Hierbei konnten mit der Anwendung von 2-CdA (bzw. DCF) bei Nicht-Ansprechen, Progression oder Rezidiv gute Erfolgsraten erzielt werden. Auch diejenigen Patienten, die unter Interferon nachweislich kein Ansprechen zeigten, konnten mit 2-CdA erfolgreich therapiert werden. Jedoch ist hier zu vermerken, daß lange stabile Verläufe (ohne Rezidiv oder Progression) unter Interferon möglich sind. So fanden sich Patienten, die über Jahre (bis 15 Jahre) unter IFN in einer stabilen kompletten Remission lebten. Die Überlegenheit von 2-CdA bezüglich des Erfolges der Therapie spiegelt sich nicht nur in den Remissionsraten wider, sondern auch in der subjektiven Einschätzung der Verträglichkeit, dem Profit und der Verbesserung der Lebensqualität durch die Patienten selbst. Demnach wurde von 67% der mit 2-CdA behandelten Patienten angegeben, das Medikament gut vertragen zu haben, gegenüber 45% in der Interferon-Gruppe. Es gaben mehr Patienten aus der Interferon-Gruppe eine schlechte Verträglichkeit dieser Therapie an. Dieser Unterschied bezüglich der Verträglichkeit war statistisch signifikant. Patienten, die sich bei den Therapien unterziehen mußten, gaben an, bezüglich Krankheitsbekämpfung (80%) und Verbesserung der Lebensqualität (87%) vom 2-CdA eher profitiert zu haben. Auch das Nebenwirkungsspektrum aus den Patientenfragebögen scheint unter Interferon deutlich größer zu sein (p=0.081), wobei unter 2-CdA vor allem das Fieber und Zytopenien dominieren. 28% gaben hier keinerlei Nebenwirkungen an, gegenüber 16% aus der Interferongruppe. Bei letzteren dominierte vor allem die Müdigkeit, Muskel-/Gelenkschmerzen sowie die Injektionen selbst, die als unangenehm empfunden wurden. Bezüglich der objektivierten Einschätzung der Lebensqualität mittels des EORTCC30 Fragebogens, ist bemerkenswert, daß insgesamt in beiden Gruppen über 60% der Fragen von je 70-100% der Patienten mit gut beantwortet wurde (Fisher's exact test). Lediglich die Frage nach der körperlichen Belastbarkeit zeigt eine signifikante Überlegenheit von 2-CdA gegenüber Interferon (p=0.039). Die spezifische Auswertung nach dem EORTC QLQ-C30 Scoring Manual ermöglicht den Vergleich der Lebensqualität der HZL-Patienten mit der Normalbevölkerung. Hier erreicht die 2-CdA-Gruppe einen annähernd mit der Normalbevölkerung vergleichbaren QoL-Score (88 versus 92), aber auch die Interferon-Patienten weisen mit 80 Punkten ein hohes Niveau der körperlichen Belastbarkeit auf. Deutliche Unterschiede zwischen HZL-Patienten und der Normalbevölkerung zeigen sich in den Symptomenkomplexen Müdigkeit, Schmerzen und Schlafstörungen, aber auch in allen anderen Bereichen der Lebensqualität zeigt das gesunde Personenkollektiv eine deutlich höhere Punktzahl. Auffällig ist die Einschätzung der allgemeinen Lebensqualität, die bei der Normalbevölkerung deutlich höher liegt. Die Einschätzung der Lebensqualität der HZL-Patienten unterscheidet sich mit 59 bzw. 61 Punkten deutlich von der Normalbevölkerung (73 Punkte). Auffällig ist die Ermittlung der besseren Lebensqualität der 2-CdA Gruppe gegenüber der Interferon-Gruppe bei den Patienten, die aktuell bzw. innerhalb der letzten 3 Jahre eine Therapie durchmachten. Auch der Vergleich des Patientenkollektivs, das 2-CdA als Ersttherapie erhalten hatte mit dem, welches 2-CdA als Second-line Therapie nach erfolglosem Interferonversuch erhielt, schneidet die 2. Gruppe (2-CdA nach durchgemachter Interferontherapie) in dem Scoring wesentlich schlechter ab. Die Frage nach der Heilung der HZL durch 2-CdA ist bisweilen noch nicht beantwortet worden, obwohl die Tatsache, daß langjährige komplette Remissionen mit Erlangung einer nahezu normalen Lebensqualität nach einem einzigen Zyklus mit minimaler Belastung der Patienten an die Möglichkeit der Heilung denken lassen könnte. Wie bereits in dem Kapitel "Minimal Residual Disease" beschrieben, weisen ca. 10-50% der Patienten mit CR Anzeichen für Restbestände der malignen Zellen im Knochenmark auf, die nachweislich zu einem Rezidiv prädispositionieren. 107• lOB. 112, 124 Ob Patienten mit einer nachgewiesenen minimalen Resterkrankung trotz CR von einem 2. Zyklus 2-CdA profitieren würden, müßte in weiterführenden Untersuchungen geklärt werden. Da diese Therapie mit einer erheblichen Immunsuppression einhergeht, wäre der Anschluß eines 2. Zyklus bei Entdeckung der minimalen Resterkrankung erst nach Erholung der CD4-Zellen nach 6 Monaten sinnvoll. Trotz der kontroversen Diskussionen über die HZL als potentiell heilbare Krankheit, gilt als gesichert, daß durch die Einführung von 2-CdA ein Durchbruch in der Behandlung der HZL gelungen ist. Eine fast 100%ige Erfolgswahrscheinlichkeit mit nur einem Zyklus des Purinanalogons mit langen Remissionszeiten und relativ niedriger Rezidivquote ermöglichen den betroffenen Patienten wahrscheinlich eine fast normale Lebenserwartung mit einer relativ hohen Lebensqualität.
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Hairy cell leukemia (HCL) is a distinct 8-cell Iymphoproliferative disorder with clearly defined diagnostic criteria. HCL is characterized by anemia, granulocytopenia, monocytopenia, thrombocytopenia and splenomegaly. It
Hairy cell leukemia (HCL) is a distinct 8-cell Iymphoproliferative disorder with clearly defined diagnostic criteria. HCL is characterized by anemia, granulocytopenia, monocytopenia, thrombocytopenia and splenomegaly. Its defining features are mononuclear cells with prominent cytoplasmic projections which contain tartrateresistant acid phosphatase and show a typical pattern of cellular infiltration in the bone marrow and spleen. Until a few years ago, the estimation success of new therapeutic aproaches in hematology were limited to clinical parameters like remission, disease-free intervall and overall survival. While these parameters are still part of clinical studies, the consciousness for the importance of the quality of life assessments and the respective therapies grows. The disease as well as the therapy and its side-effects do not only affect the patient's physical condition, but also changes the social, professional and family life. The aim of the present study was to establish a nation-wide registry in Germany of patients with hairy cell leukemia and- the pOinted inquiry about their quality of life under therapy with alpha interferon or 2-Chlorodeoxyadenosine (2-CdA). Questionnaires were send to 250 patients with hairy cell leukemia who were treated in hematological practices or clinical hematological centres (178 went to members of the german self-help group) and to physicians in 415 private practices. A standardized Quality-of-life-questionnaire of the "European Organization for Research and treatment of Cancer" (EORTC QLQ-C30) plus 14 additional questions concerning the specific therapy were administered to patients who underwent chemotherapie with INF, 2-CdA or Chlorodeoxyformycin. Our results indicate that 2-CdA has been introduced in 1993, but that until now Interferon is used in patients with hairy cell leucemia as first therapy option - despite the proven effect of 2-CdA. 85% of the 2-CdA-treated patients achieved a complete response, 90% of them with only one cycle (overall responsse up to 98%), versus 20% of complete response rate under therapy with Interferon. The superiority of 2-CdA is shown not only in therapy success, but also in the individual estimation of therapy tolerance, the benefit and improvement of quality of life. Of the 2-CdA-treated patients, 67% tolerated therapy well versus 45% of the Interferon-treated patients (p=0.02). Accordingly, significantly more patients reported a bad tolerance under Interferon (15% vs 4%). Patients who received both therapies (2-CdA and Interferon) were convinced that they benefited of 2-CdA in terms of disease-control (80%) and improvement of quality of life (87%). In contrast, patients with Interferon therapy suffered from much more side-effects than those under 2-CdA (p=0.08). Cytopenia and fever were observed more often in 2-CdA-patients, whereas tiredness and arthritis dominate in the Interferon-group. 28% of the 2-CdA treated patients did not suffer from any side effect versus 16% in the Interferon group (p=0.08). Concerning the estimation of quality of life it is remarkable that more than 60% of all questions were answered from 70-100% of all patients with "good" (Fisher's exact test). Comparing the Quality of life Scores of Interferon and 2-CdA-treated patients with those of a control population, it is noticeable that the 2-CdA-group almost reaches the level of the general population in physical function (88 vs. 92). The Interferongroup also scored high (80). Striking differences between HCL-patients and the normal population were observed in the evaluation of the symptoms tiredness, pain, and insomnia, but all other functions are scored higher by the general population. Despite the controversy about HCL as a potentially curable disease, it is certain that the introduction of the purine analogons has brought a breakthrough in HCL treatment. A success probability of a success rate of almost 100% after only one cycle 2-CdA with long favourable long-term response rates and relatively low relapse rates brought about an almost normal life expectancy with a relatively high quality of life to the HCL-patients.
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Metadaten
Author:Fouzia Castillo Miranda
URN:urn:nbn:de:hebis:30-75518
Referee:Paris S. Mitrou
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2010/03/09
Year of first Publication:2004
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Universität
Date of final exam:2004/11/29
Release Date:2010/03/09
Note:
Diese Dissertation steht leider (aus urheberrechtlichen Gründen) außerhalb der UB Frankfurt am Main nicht im Volltext zur Verfügung, die Druckausgabe kann (auch über Fernleihe) da ausgeliehen werden.
HeBIS PPN:421268875
Institutes:Medizin
Dewey Decimal Classification:610 Medizin und Gesundheit
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License LogoArchivex. zur Lesesaalplatznutzung § 52b UrhG

$Rev: 11761 $