Was ist und was braucht ein bedeutender Finanzplatz?

„Bedeutende Finanzplätze“ oder Finanzzentren sind eng abgegrenzte Orte mit einer beträchtlichen Konzentration wichtiger professioneller Aktivitäten aus dem Finanzdienstleistungsbereich und der entsprechenden Institutione
„Bedeutende Finanzplätze“ oder Finanzzentren sind eng abgegrenzte Orte mit einer beträchtlichen Konzentration wichtiger professioneller Aktivitäten aus dem Finanzdienstleistungsbereich und der entsprechenden Institutionen. Allerdings: „Finance is a footloose industry“: Die Finanzbranche kann abwandern, ein Finanzzentrum kann sich verlagern, möglicherweise auch einfach auflösen. Die Möglichkeit der Auflösung und der Abwanderung stellt eine Bedrohung dar, die in der Zeit der Globalisierung und der rasanten Fortschritte der Transport- und der Informations- und Kommunikationstechnik ausgeprägter sein dürfte, als sie je war. Frankfurt ist zweifellos ein „bedeutender Finanzplatz“, und manchen gilt er auch als bedroht. Allein deshalb ist unser Thema wichtig; und auch wenn die Einschätzungen von Bedeutung und Bedrohtheit keineswegs neu sind, ist es doch aktuell. Der Aspekt der Bedrohtheit prägt, wie wir die Frage im Titel verstehen und diskutieren möchten. Was ist ein „bedeutender Finanzplatz“? Selbst wenn man das Attribut „bedeutend“ erst einmal beiseite lässt, ist die Frage keineswegs trivial. Sie zielt ja nicht nur auf eine Begriffsklärung, eine Sprachregelung ab. Hinter dem Begriff steht oft auch eine Vorstellung vom „Wesen“ dessen, was ein Begriff bezeichnet. Also: Was macht einen Finanzplatz aus? Und weiter: Warum gibt es überhaupt Finanzplätze als beträchtliche Konzentrationen von bestimmten wichtigen Aktivitäten und Institutionen? Welche Kräfte führen - oder zumindest führten - zu der räumlichen Konzentration der Aktivitäten und Institutionen, wie wirken diese Kräfte, und wie ändern sie sich gegebenenfalls? Diesen Fragen ist dieser Beitrag im Wesentlichen gewidmet, und sie prägen seinen Aufbau. Im Abschnitt II wird diskutiert, was ein „bedeutender Finanzplatz“ ist oder woran man ihn erkennt und „was er braucht“. Im Abschnitt III gehen wir zuerst auf die Frage nach der in letzter Zeit unter dem Stichwort „the end of geography“ heftig diskutierten Vorstellung einer Auflösung oder Virtualisierung der Finanzplätze ein – nicht weil dies die wichtigere Bedrohung wäre, sondern weil es die grundlegendere Frage darstellt. Dann diskutieren wir den Wettbewerb von Finanzplätzen in Europa. Den Abschluss bilden Überlegungen zu den Perspektiven des Finanzplatzes Frankfurt und der möglichen Förderung seiner Entwicklung.
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In this paper, we first discuss the notion of „important financial centres“ and the socio-economic and political conditions which need to be fulfilled for such a centre to exist. We then address the issue of the so-calle
In this paper, we first discuss the notion of „important financial centres“ and the socio-economic and political conditions which need to be fulfilled for such a centre to exist. We then address the issue of the so-called “end of geography” which has attracted a lot of attention recently. Under this suggestive title some authors have recently advances the proposition that specific locations lose their role as economic centres and are more and more replaced by so-called virtual centres. We do not suscribe to this view since, as we argue in our paper, we do not agree that proximity has lost much of its importance in the financial business. However, the provocative proposition rightly directs attention to the really important question of how competition plays out in this area. We therefore analyse which kind of competition is relevant in the case of financial centres and how it affects the position of Frankfurt in the international hierarchy of financial centres. Our proposition is that “horizontal competition” such as that between Frankfurt and Paris is not really relevant, and much less relevant than “vertical competition” between Frankfurt and London as the main centre in Europe on the one hand, and Frankfurt and different local subcentres in Germany on the other. That is, Frankfurt must fear to lose business to London and/or to the We conclude with a set of observations on how the role of Frankfurt as a financial centre can be strengthened.
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Metadaten
Author:Reinhard H. Schmidt, Michael H. Grote
URN:urn:nbn:de:hebis:30-16631
Parent Title (English):Universität Frankfurt am Main. Fachbereich Wirtschaftswissenschaften: [Working paper series / Finance and accounting] Working paper series, Finance & Accounting ; No. 150
Series (Serial Number):Working paper series / Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften : Finance & Accounting (150)
Publisher:Univ., Fachbereich Wirtschaftswiss.
Place of publication:Frankfurt am Main
Document Type:Working Paper
Language:German
Year of Completion:2005
Year of first Publication:2005
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2005/09/27
Tag:Finanzplatz / Standortfaktor / Standortwettbewerb / Regionale Konzentration / Deutschland / Grossbritannien / Gruppe Deutsche Börse Frankfurt; Main
Frankfurt ; economic geography ; financial centres ; regional competition
Pagenumber:23
HeBIS PPN:188877959
Institutes:Wirtschaftswissenschaften
Dewey Decimal Classification:330 Wirtschaft
JEL-Classification:G15 International Financial Markets
R11 Regional Economic Activity: Growth, Development, and Changes
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

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