Zeit für Zukunft : vom Einfluss der Zeitvorstellungen und der gesellschaftlichen Zeitorganisation auf Zukunftsvorstellungen und Lebensperspektiven

Time for Future : of time concepts and society's organisation of time and how they influence concepts of future as well as future modes of living and life phases

In der vorliegenden Arbeit wird die enge Verbindung von Zeitvorstellungen und gesellschaftlicher Zeitorganisation zu gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen und individuellen Lebensperspektiven herausgearbeitet. Erfasst
In der vorliegenden Arbeit wird die enge Verbindung von Zeitvorstellungen und gesellschaftlicher Zeitorganisation zu gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen und individuellen Lebensperspektiven herausgearbeitet. Erfasst und analysiert werden auch jene Faktoren, die die Manipulationsmacht des Menschen und der gesellschaftlichen Systeme bei temporalen Gestaltungsvorhaben begrenzen. Kernaussage und zentrale Fragestellungen: Zeitbewusstsein und Zeitvorstellungen prägen die Vorstellungen von Zukunft. Bestimmte Formen von Zeit und gesellschaftlicher Zeitorganisation können die Entstehung und Entwicklung von Zukunftsvorstellungen hemmen oder fördern. Damit ragen Zeitbewusstsein und Zeitorganisation in die Wahrnehmung und Entwicklung von Zukunft hinein. Zentral ist u.a. die Form, in der Zeit zur Verfügung steht. Sind es immer nur kurze Momente, die für Reflexion, Retrospektion oder Prospektion zur Verfügung stehen oder längere zusammenhängende Sequenzen? Stehen solche Zeiten nur dem auf sich gestellten Individuum oder ganzen gesellschaftlichen Gruppen gemeinsam zur Verfügung? Liegen diese Zeiten so und sind sie so gestaltet, dass sie sinnvoll zur Entwicklung und Gestaltung von Zukunft genutzt werden können? Aufbau der Arbeit: Im ersten Kapitel wird das Thema expliziert und werden Aufbau, Methode und Grenzen der Fragestellung werden. Im zweiten Kapitel werden verschiedene Formen des Umgangs mit Zukunft und unterschiedliche Methoden der Vorausschau beschrieben. Dabei liegt der Fokus auf den zeitlichen Voraussetzungen für individuelle und kollektive Entwicklung von Zukunftsvorstellungen und für die demokratische Gestaltung von Zukunft. Im dritten Kapitel werden auf Basis naturwissenschaftlicher, medizinischer und psychologischer Quellen die zeitlichen Strukturen und Bedürfnisse des Menschen erläutert. Es wird dargestellt, wie diese bewusst und unbewusst auf Zeitvorstellungen und den Umgang mit Zeit und Zukunft einwirken. Der Bogen wird gespannt von der Naturzeit bis zu einer von Menschen in unterschiedlicher Form wahrgenommenen und gestalteten Zeit. Herausgearbeitet werden die negativen Folgen und die positiven Möglichkeiten unterschiedlicher Formen des Umgangs mit Zeit. Zugleich wird verdeutlicht, wie die Gestaltung von Zeit das Denken über Zukunft beeinflussen, ermöglichen oder blockieren kann. Im vierten Kapitel wird gezeigt, wie sich die gesellschaftliche Zeitorganisation und das Zeitbewusstsein historisch verändert haben, während Zukunftsvorstellungen und Zukunftsentwürfe sich gleichzeitig wandelten. Die historische Spanne reicht dabei von den handlungsorientierten Zeitvorstellungen primitiver Gesellschaften, über zyklische, naturnahe Zeitvorstellungen der Agrargesellschaften, bis zur Entstehung linearer Zeitvorstellungen in der Religion und weiter über die entwickelten linearen Zeitvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft hin zur fragmentierten oder digitalisierten Zeit der Gegenwart. Diese Entwicklung verläuft parallel zur Entwicklung der Zukunftsvorstellungen von einer klaren Handlungsorientierung, über Paradieseskonzeptionen und große gesellschaftliche Utopien, zu einer zunehmend individualisierten und verkürzten Vorstellung von Zukunft. Im Mittelpunkt der Analyse steht die enge Verbindung zwischen diesen beiden Elementen. Es wird betrachtet, wie auf frühere Phasen der Geschichte, in denen Zukunft in einem diesseitigen Sinn kaum eine Rolle spielte, Phasen folgen, in denen Zukunft als langfristige Gestaltung der Welt und des eigenen Lebens das Denken der Menschen präge, während heute die kurzfristige Gestaltung des individuellen Lebens im Vordergrund steht. In einem kurzen Schlusskapitel werden zwei zentrale Ergebnisse formuliert: 1. Der Mensch ist in zeitlicher Sicht grundsätzlich abhängig von den Zeiten der Natur. Die Natur (die innere und die äußere) ist rhythmisch strukturiert und diese Rhythmen sind gekennzeichnet durch eine Vielfalt von Zeitformen und Bedürfnissen. Die Gesellschaft muss auf diese Vielfalt Rücksicht nehmen und sie in ihre Zeitorganisationsentscheidungen integrieren, um eine Balance von Stabilität und Flexibilität zu entwickeln. 2. Zeitvorstellungen und Zukunftsvorstellungen sind epochal unterschiedlich. Dabei prägt die jeweilige Zeitvorstellung zentral die Vorstellungen von Zukunft. Auch wenn heute immer mehrere Zeitvorstellungen nebeneinander existieren, die individuelle Wahl- und Orientierungsentscheidungen ermöglichen, gibt es doch dominante Vorstellungen von Zeit und eine gesellschaftliche Ordnung der Zeit, die diese Optionsvielfalt wesentlich verringern. Abschließend werden kurze Hinweise auf einen zukunftsfähigen Umgang mit Zeit und Zukunft unter den Stichworten Zukunftsgestaltung, Zeitbrachen, Chillout, individuelle Reflexion und Zukunftsoffenheit gegeben.
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This paper addresses the close relationship between a) concepts of time and how a society organises time and b) a society's concepts of future as well as future modes of living and life phases. Included and analysed are 
This paper addresses the close relationship between a) concepts of time and how a society organises time and b) a society's concepts of future as well as future modes of living and life phases. Included and analysed are those factors that limit the ability of humans and social systems to choose and influence the way time is structured and spent. Thesis and central problems: The awareness of time and concepts of time influence the concepts of future. Certain forms of time and a society's organisation of time can prevent or promote the emergence and development of these concepts. Thus, the awareness of time and society's organisation of it impose themselves on the concrete processes of perception and structuring of future. Of central importance, inter alia, is the form in which time is available. Is it available to reflect on the past, present and future only in brief moments, or in longer, uninterrupted sequences? Is it available only to individuals left to their own resources, or to entire social groups collectively? Is time structured in such a manner to allow sensible development and shaping of the future? Structure In Chapter 1 the thesis is defined, and the structure, method, and limits of the problems treated are set forth. In Chapter 2 various ways of dealing with the future and looking forward are described. A central focus is on temporal prerequisites for the individual and collective development of concepts of future and how to shape it in a democratic manner. In Chapter 3 the time structures and needs of humans are examined on the basis of scientific, medical, and psychological sources. It is outlined how time structures and time needs affect, consciously and unconsciously, the way people conceive of and deal with time and future, beginning with primitive cultures exposed directly to nature and ending with the current day, where humans perceive, structure and spend time in various forms. The negative consequences and positive possibilities of various ways of dealing with time are developed. At the same time, it is explained how the manner in which time is structured and spent can promote, impede or otherwise influence thinking about the future. In Chapter 4, numerous examples illustrate how society's organisation and awareness of time have evolved historically: from the action-orientated concept of time in primitive societies, to the cyclical, close-to-nature notion of time in agricultural societies, the nascent linear idea of time in religion, the developed linear time concepts of bourgeois society, and finally to the fragmented or digitalised concept of time in the present age. This evolution is paralleled by the evolution of concepts of the future from a clear emphasis on the present, to notions of paradise and grand social utopias, to the current increasingly individualised and shortened concept of future. The analysis focuses on the close relationship between how a society organises time and the room available to contemplate and plan the future. In early phases of history the concept of a future prior to death was virtually insignificant. Later on, human thought was influenced by the sense of future as a long-term shaping of the world and one's own life. Today, the concept of future as a short-term shaping of the life of the individual has gradually come to dominate. In a brief final chapter two central conclusions are reached: 1. Humans and their perception of time are fundamentally dependent on natural cycles. Nature (internal and external nature) is structured in rhythms characterised by a wide variety of time forms and needs. Society must respect this variety and integrate it into organisation of time to ensure a balance between stability and flexibility. 2. The concepts of time and future may differ from epoch to epoch, but in every epoch the concept of time has a central impact on the concept of future. Today, although several different concepts of time exist side by side that permit individual choices and orientations, there are nonetheless dominant concepts of time and an ordering of time by society which eliminate essential parts of the range of choices. The paper concludes with brief suggestions for dealing with time in a manner that is viable for the future, with reference to such terms as "shaping the future", "fallow time", "chillout", "individual reflection" and "keep the future open".
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Metadaten
Author:Bernhard Albert
URN:urn:nbn:de:hebis:30-0000006927
Referee:Joachim Hirsch
Advisor:Joachim Hirsch, Karlheinz A. Geißler
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Year of Completion:2003
Year of first Publication:2003
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Universität
Date of final exam:2003/12/19
Release Date:2005/04/15
Tag:Lebensperspektive; Zeitvorstellung; Zeitökologie; Zukunftsforschung; Zukunftsgestaltung
designing society; future; future studies; shaping the future; time
SWD-Keyword:Lebensplan; Nachhaltige Entwicklung; Partizipation; Utopie; Zeit; Zeitqualität; Zeitwahrnehmung; Zukunft; Zukunftserwartung
Pagenumber:430
HeBIS PPN:127962735
Institutes:Gesellschaftswissenschaften
Dewey Decimal Classification:300 Sozialwissenschaften
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $