Mütterliche Risikofaktoren, prä- und perinatales Management - „fetal outcome“ beim frühen vorzeitigen Blasensprung

Maternal risc factors, pre and peripartal management - fetal outcome after preterm premature rupture of membranes

Seit Jahren liegt die Frühgeburtenrate auf gleichbleibend hohem Niveau mit teilweise sogar leichtem Anstieg. Ursächlich ist ein überproportionaler Anstieg „sehr früher“ Frühgeborener bis 32. SSW auf etwa 3% aller Geburte
Seit Jahren liegt die Frühgeburtenrate auf gleichbleibend hohem Niveau mit teilweise sogar leichtem Anstieg. Ursächlich ist ein überproportionaler Anstieg „sehr früher“ Frühgeborener bis 32. SSW auf etwa 3% aller Geburten. Auf sie entfallen 50% aller perinatalen Todesfälle und sie haben ein hohes Risiko für Folgeschäden. 1/3 aller Frühgeburten werden durch einen vorzeitigen Blasensprung ausgelöst. Eine infektiöse Pathogenese ist häufig, hier besteht eine Möglichkeit zur Prävention und somit zur Senkung der Frühgeburtenrate insgesamt. Dieser Gruppe gebührt besondere Beachtung. In der vorliegenden Arbeit erfolgte eine retrospektive Auswertung der Geburtsjahrgänge 1996 bis 2000 am Klinikum Offenbach. Einschlusskriterien waren ein früher vorzeitiger Blasensprung (pPROM) und ein Gestationsalter bis 32. SSW. Mütterliche Risikofaktoren, prä- und peripartales Management sowie neonatale Morbidität und Mortalität wurden analysiert. Merkmal dieser Hochrisikoschwangeren waren ein niedrigen sozialen Status und besonders folgende geburtshilfliche Auffälligkeiten: Mehrlinge, Sterilitätsbehandlung und vaginale Blutungen in der jetzigen Schwangerschaft oder mehrere operative Eingriffe an der Zervix (Abort/ Abruptio/ Konisation/ Cerclage), Frühgeburten und Infans mortuus in der eigenen Anamnese. Nach Frühgeburt ist der Fet durch seine mangelnde Reife einer erhöhten kindlichen Mortalität und Morbidität ausgesetzt. Durch die vorliegende Arbeit sollte geklärt werden, ob ein pPROM dieses „Outcome“ weiter verschlechtert. Ein genereller Trend zu schlechteren Überlebensraten nach pPROM war anhand der ausgewerteten Daten nicht ersichtlich. Es überlebte kein Kind vor der 25. SSW. Ab der 26. SSW/ 750g überlebten 2/3, ab der 30. SSW/ 1000g überlebten mehr als 90%. Die Peri- und Neonatale Mortalität betrugen in der Gewichtsklasse 1000-1499g jeweils 4,8%, oberhalb der 28. SSW jeweils 7,8% und unterhalb der 28 SSW/ 1000g 49% bzw. 51%. Ein Vergleich mit der Literatur ist schwierig, weil deren Ergebnisse sehr differieren. Ein pPROM war kein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Bronchopulmonalen Dysplasie (BPD), einer Nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) und einer Frühgeborenenretinopathie (ROP). Inzidenz und Schweregrad wurden durch das postpartale Management entscheidend beeinflusst. Entgegen der Literatur entwickelte kein einziges Kind Extremitätenkontrakturen durch ein länger bestehendes Oligo-/ Anhydramnion. Nur ein Mädchen verstarb an einer Lungenhypoplasie. Die Inzidenz einer schweren Intrazerebralen Hämorrhagie (ICH) unterhalb der 28. SSW lag bei 12,5–20%. Dies entspricht den nationalen Neonatalstatistiken. Zwischen der 28. und 30. SSW kam es aber, entgegen der drastischen Verringerung der Inzidenz in der Literatur, zu einem Anstieg auf 17,9%. Eine „mäßig frühe Frühgeburt“ hatte somit ein besonders hohes Risiko für ICH. Da eine Barriere aus intakter Eihaut fehlt, ist der weitere Verlauf der Schwangerschaft durch die mögliche Aszension genitaler Keime gekennzeichnet. In der Gewichtsklasse < 1000g fiel eine gewisse Schutzfunktion durch ein beginnendes Amnioninfektionssyndrom auf. Trotz einer Zunahme neonataler Sepsisfälle sank die Inzidenz schwerer ICH, eines schweren Atemnotsyndroms und einer BPD. Auch die Überlebensrate war höher als in der Vergleichsgruppe (40,6% vs. 36,8%). Für Kinder ab 1000g bedeutete es jedoch eine Prognoseverschlechterung mit einem höheren Risiko für bleibende Behinderungen. Bei einer Blasensprungdauer ab 169h stieg das Risiko der Entwicklung einer postnatalen Sepsis oder Pneumonie rapide auf 20,8% / 33,3% an. Damit verbunden verdoppelte sich das Risiko für ICH auf 16,7% und vervierfachte sich die Inzidenz einer BPD auf 25%. Das handicapfreie Überleben war gefährdet. Eine Verlängerung der Latenzzeit über 169h/ 7d kann anhand dieser Daten, insbesondere ab der 30. SSW/ 1000g, nicht befürwortet werden. Im Kollektiv < 1000g vermochte eine abgeschlossene RDS-Prophylaxe die Sterblichkeit von 61,1% auf 51,9% zu senken. Die Inzidenz für eine „schwerwiegende Erkrankung“ (42,9% vs. 30,8%) und für ICH (14,3% vs. 0%) fiel ebenso. Entgegen der internationalen Literatur entwickelten diese Kinder aber mehr chronische Lungenschäden im Sinne einer BPD (30,8% vs. 14,3%) oder eine ROP (23,1% vs.14,3%). Eine präpartale Antibiose hatte nur für die Gewichtsklasse < 1000g einen Überlebensvorteil (46,9% vs. 76,9%). In Anbetracht der überproportional hohen Inzidenz schwerwiegender Folgeerkrankungen relativierte sich dieser Vorteil jedoch. Die Chance „ohne Handicap“ zu überleben unterschied sich deutlich geringerer (31,3% vs. 23,1%). Ein pPROM bedeutet, durch ein geeignetes geburtshilfliches Management, keine Prognoseverschlechterung. Besser wäre es aber die Möglichkeiten einer primären und sekundären Prävention zu nutzen.
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For years the premature birth rate has been on consistently high standard with a trend increasing slightly. Causally is an excessive increase in very premature babies < 33 weeks of gestation in about 3% of all births. 50
For years the premature birth rate has been on consistently high standard with a trend increasing slightly. Causally is an excessive increase in very premature babies < 33 weeks of gestation in about 3% of all births. 50% of all perinatal deaths is dropped on them and there is also a high risk for permanent impairments. 1/3 of all premature births are triggered by preterm rupture of the membranes. An infectious pathogenesis is very frequent, this provides an opportunity for prevention and consequently a reduction of the premature birth rate. Special attention is entitled to this group. The present study carried out a retrospective evaluation of the birth years 1996 to 2000 in “Klinikum Offenbach”. Inclusion criteria were a preterm premature rupture of the membranes (pPROM) and a gestation time < 33 weeks. Maternal risk factors, obstetric management and neonatal morbidity and mortality were analyzed. Several factors were found in high risk pregnancies a low social status and the following obstetric specialties: multiple pregnancies, conducted sterility treatment, vaginal bleedings in the present pregnancy or several surgical treatments at the cervix (abortion/ conization/ cerclage), premature births and infans mortuus in the own case history. According to lacking maturity after preterm birth the fetus is exposed to an increased infant morbidity and mortality. By this thesis should be cleared whether a preterm premature rupture of the membranes further deteriorates this “outcome”. A general trend towards worse survival rates after preterm premature rupture of the membranes was not obvious with the evaluated data. No child before 25 weeks of gestation survived. From the 26th week of gestation/ 750g 2/3 survived, from the 30th week of gestation/ 1000g more than 90% survived. In the weight category 1000-1499g the perinatal and neonatal mortality was 4,8% each, after 28 weeks of gestation 7,8% each and before 28 weeks of gestation/ 1000g 49% or 51%. A comparison with literature is difficult because the results differ very much. Preterm premature rupture of the membranes is not an independent risk factor for the development of bronchopulmonary dysplasia, necrotizing enterocolitis and retinopathy of prematurity. Incidence and seriousness are influenced by postpartal management. Contrary to the literature no one of the preterm infants developed extremity contractures because of longer existing oligo-/ anhydramnion. Only one girl died of lunghypoplasia .The incidence of a severe intracerebral hemorrhage before 28 weeks of gestation was 12,5-20%. This corresponds to the german “Neonatalstatistik”. However, it came to an increase on 17.9% between the 28th-30th week of gestation, in contrast to the drastic reduction of the incidence in literature. A “moderate premature birth” had a particularly high risk for intracerebral bleedings. Since a barrier of intact fetal membrane is missing, the further course of pregnancy is labeled by the possible ascending of genital germs. In the weight category < 1000 g a beginning chorioamnionitis was noticed to have a certain protective function. Despite an increase of neonatal cases of sepsis the incidence of severe intracerebral bleedings, severe respiratory distress syndrome and bronchopulmonary dysplasia dropped. The survival rate was also higher than in the comparison group (40.6% vs. 36.8%). For children > 1000g it meant a deteriorating prognosis with a higher risk of lasting handicaps. If the preterm premature rupture of the membranes last more than 169h the risk to develop a postnatal sepsis or pneumonia rose to 20.8%/ 33.3% rapidly. Due to that the risk for intracerebral bleedings doubled on 16.7% and the incidence of bronchopulmonary dysplasia quadrupled on 25%. Surviving without handicap was endangered. A prolongation of the latent period &#8805; 169h/ 7d cannot be approved with this data; particularly after the 30th week of gestation/ &#8805; 1000 g. A complete course of RDS prophylaxis was able to lower the mortality from 61.1% to 51.9% in the group < 1000 g. The incidence for „major morbidity“ (42.9% vs. 30.8%) and for intracerebral bleedings (14.3% vs. 0%) fell as well. However, in contrast to international literature these children developed more chronic lung problems like bronchopulmonary dysplasia (30.8% vs. 14.3%) or retinopathy of prematurity (23.1% vs. 14.3%). Only for the weight category < 1000 g an antibiosis had survival advantage (46.9% vs. 76.9%). In consideration of the excessively high incidence of „major morbidity“ this advantage was relativised. The chance to survive "without handicap" was considerably low (31.3% vs. 23.1%). With the right obstetrical management a preterm premature rupture of the membranes does not mean a deterioration of the prognosis. However, it would be more useful to take the opportunities of a primary and secondary prevention.
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Metadaten
Author:Heike Sturm
URN:urn:nbn:de:hebis:30-30811
Referee:H.-J. Kitschke
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2006/09/18
Year of first Publication:2005
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Universität
Date of final exam:2006/05/04
Release Date:2006/09/18
Tag:Frühgeburt ; Risikofaktoren
morbidity ; mortality; pProm
SWD-Keyword:Morbidität; Sterblichkeit ; Vorzeitiger Blasensprung
Note:
Diese Dissertation steht leider (aus urheberrechtlichen Gründen) nicht im Volltext im WWW zur Verfügung, die CD-ROM kann (auch über Fernleihe) bei der UB Frankfurt am Main ausgeliehen werden. 
HeBIS PPN:181171821
Institutes:Medizin
Dewey Decimal Classification:610 Medizin und Gesundheit
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License LogoArchivex. zur Lesesaalplatznutzung § 52b UrhG

$Rev: 11761 $