Wahrnehmungsfragmente von menschlichen Interaktionen und ihre Entstehung

Die im Rahmen der Magisterarbeit entstandenen kunstpraktischen Arbeiten sind das Ergebnis einer intensiven inhaltlichen und methodischen Auseinandersetzung. Dabei verschränken sich die angewandten und entwickelten Techni
Die im Rahmen der Magisterarbeit entstandenen kunstpraktischen Arbeiten sind das Ergebnis einer intensiven inhaltlichen und methodischen Auseinandersetzung. Dabei verschränken sich die angewandten und entwickelten Techniken mit der konzeptionellen Entwicklung. Die verschiedenen Ausgangspunkte der Arbeit, insbesondere die Beschäftigung mit Gestik und Körpersprache und Körperaktion in vorausgegangenen praktischen Arbeitsphasen und die Auseinandersetzung mit Wahrnehmungs-fragen im Rahmen des Studienfaches führten zu einer Konzentration auf menschliche Interaktionen und figürliche Fragestellungen. Die in der Arbeitsphase weiterentwickelte druckgraphische Methode, die auf Zeichnungen basiert, entspricht in gewisser Weise den Phänomenen menschlicher Wahrnehmung (Selektion, Fragmentierung, Assoziative Leistungen und visuelles Erkennen) und repräsentiert und verdeutlicht diese. Darüber hinaus entsteht durch das großformatige Arbeiten und die materiellen Eigenheiten der Drucktechnik neue Möglichkeiten der Vereinfachung, Konzentration und Materialpräsenz, die eine Zeichnung alleine so nicht bietet. Durch die methodisch erarbeiteten Linien- und Formqualitäten werden in verschiedener Hinsicht neue Bildinhalte eröffnet. Zum einen wird der zeichenhafte Charakter der Elemente durch Entindividualisierung, Vereinfachung und Wiederholung verstärkt. Dadurch entwickeln sich neue narrative Momente. Zum anderen wird durch die Multiperspektivität und räumlich – dynamische Wirkung der Arbeiten ein Bezug zum Umgebungsraum und zu variierenden Betrachterpositionen hergestellt. Damit besteht eine Verbindung zwischen Bewegung als Bezugskonzept innerhalb der Einzelblätter und zwischen Betrachter und Werk. Die Rolle von zeitlicher und örtlicher Überlagerung von Wahrnehmungsfragmenten gewann während des Arbeitsprozesses immer stärker an Bedeutung. Damit in Zusammenhang steht die Bezugnahme auf Konzepte der zeitgenössischen Kunst, die sich bewegter Bilder bedienen, wie z. B. Film und Video, Animation und Überblendtechniken. Hier wird die zeitliche Abfolge der Bilder, die im persönlichen Wahrnehmungsspeicher quasi abgelagert wird, zum Bestandteil des Wahrnehmungsprozesses. Ein weiterer Kontext, den die kunstpraktische Arbeit vertieft, ist die Beschäftigung mit Körperarbeit und Materialität. Die bereits in der Vergangenheit durchgeführten Arbeiten mit Körperdrucken, Abroll- und Abformversuchen zeigte die Bedeutung des Materials an sich für den Ausdruck von nicht zeichenhaftem, sondern impulshaftem Ausdruck, für den in der Entwicklung der großformatigen und unmittelbaren Drucktechnik ein Weg der graphischen Umsetzung gefunden wurde. Die Präsentation der Arbeiten im Raum und die damit verbundenen Möglichkeiten der Wahrnehmung können aus organisatorischen Gründen erst nach Fertigstellung der schriftlichen Ausarbeitung erprobt werden. Hier eröffnen sich ggf. weitere Perspektiven für die Entwicklung von Raumkonzepten und großformatigen zeichenhaften Arbeiten. Auch eine Weiterentwicklung von Material betonenden Arbeiten, die plastische oder dreidimensionale Versuche beinhalten, wäre denkbar. Die Fragmente der eigenen Wahrnehmung werden als collagehafte Arbeit umgesetzt. Die im Gedächtnis zeitlich gestaffelten Wahrnehmungsfragmente wurden zu Fragmenten der kunstpraktischen Arbeit und über diese zu einer neuen Synthese der individuellen Fragestellungen. Der Prozess der Wahrnehmungsverarbeitung entwickelt sich dabei zum Weg der Umformung der selektiven individuellen Wahrnehmung innerhalb der graphischen Umformung. Dies kann stellvertretend für die eigene Konzentration auf elementare Erinnerungsfragmente und der Herausarbeitung zeichenhafter Ergebnisse einer persönlichen Weltsicht stehen. Die weitere Entwicklung der gewonnenen Ergebnisse intendiert neue Fragen und neue künstlerische Konzepte. Das über die Zeit Wahrgenommene wird neu geordnet und geformt und verdeutlicht die verarbeiteten Fragmente vor dem Hintergrund des eigenen spannungsvollen Bewusstseins, Wahrnehmung und persönliches Repertoire ergeben eine neue Form. Dies zeigt sich in der Betrachtung von Einzelblättern, aber voraussichtlich noch deutlicher in der Installation der Arbeiten als räumliche Präsentation.
show moreshow less

Export metadata

  • Export Bibtex
  • Export RIS

Additional Services

    Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Author:Andrea Malkmus
URN:urn:nbn:de:hebis:30-25869
Referee:Astrid Stricker, Otfried Schütz
Document Type:Magister's Thesis
Language:German
Year of Completion:2005
Year of first Publication:2005
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Granting Institution:Johann Wolfgang Goethe-Universität
Date of final exam:2005/08/22
Release Date:2006/04/27
Note:
Der Text- und Abbildungsband ist Teil der kunstpraktischen Abschlußarbeit gleichen Titels, die als Rauminstallation im Oktober 2005 in der Ausstellungshalle des Institutes gezeigt wurde. Bildmaterial zu diesem Teil der Arbeit kann bei mir direkt bezogen werden: amalkmus@gmx.de
HeBIS PPN:186560931
Institutes:Kulturwissenschaften
Dewey Decimal Classification:760 Grafik; Druckgrafik, Drucke
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $