Grenzkonflikte und Gedenkrituale im antiken Sparta

Gedenkrituale für Kriegsgefallene ebenso wie die Erinnerung an vergangene Kriege befinden sich in einem Zustand fortwährenden Wandels und passen sich an die jeweiligen sozialen und politischen Begebenheiten an. Dies gilt
Gedenkrituale für Kriegsgefallene ebenso wie die Erinnerung an vergangene Kriege befinden sich in einem Zustand fortwährenden Wandels und passen sich an die jeweiligen sozialen und politischen Begebenheiten an. Dies gilt besonders für jene Gedenkrituale, mit denen an die Gefallenen in Grenzkonflikten erinnert wird: Da es derartige Situationen immer wieder gibt, werden die Gedenkrituale dazu genutzt, um im Hinblick auf neuere Konflikte die Erinnerung zu bewahren. Dies wird im Folgenden am repräsentativen Beispiel Spartas untersucht. In der ersten Hälfte des 7. Jh.s. v. Chr. wurde dort das Gymnopaidiai-Fest eingeführt, das in Verbindung zu den argivisch-spartanischen Feindseligkeiten stand. Dabei lassen sich drei Ereignisse in den Auseinandersetzungen zwischen Argos und Sparta ausmachen, die sich auf die Rituale in den Gymnopaidiai ausgewirkt haben – alle drei betreffen Thyrea. Der erste Fall greift die spartanisch-argivischen Zusammenstöße im 8. bzw. 7. Jh. v. Chr. auf, die in Thyrea stattgefunden haben dürften. Die zweite Auseinandersetzung, etwa in der Mitte des 6. Jh.s. v. Chr., war der Kampf der Dreihundert. Der dritte Konflikt lässt sich auf den Anfang des zweiten Viertels des 4. Jh.s. v. Chr. datieren, als Argos der Überlieferung nach wieder die Kontrolle über die Thyreatis erlangte. In den Quellen lassen sich hingegen keine Belege für die Einführung der Gymnopaidiai finden, die auf einen Kampf zwischen Sparta und Argos, sei es in der Thyreatis oder in Hysiai, hinweisen.
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Commemoration rituals and, more generally, the memory of war and war dead are continuously shaped in order to better represent the social and political instances of the group that is managing them. Such shaping activity 
Commemoration rituals and, more generally, the memory of war and war dead are continuously shaped in order to better represent the social and political instances of the group that is managing them. Such shaping activity also involves the program of festivals providing rituals of commemoration of war dead and applies all the more to frontier wars because of their recurrence. A typical example is the shaping of the Gymnopaidiai festival. There are three crucial events influencing at many levels the Gymnopaidiai and hinted by Sosybius (FGrHist 595 F 5): a battle at Thyrea (end of 8th century BC), commemorated by songs of Taletas and Alcman, later coming together in the Gymnopaidiai; the battle of the champions, as a consequence of which Sparta founded the Parparonia at Thyrea and inserted in the Gymnopaidiai peans of Dionisodotos; the recovery of the control over Thyrea by Argos (4th century BC), after which the Spartans transferred the Parparonia to Sparta, hence celebrated within the Gymnopaidiai. Instead, there is no evidence linking the Gymnopaidiai with the battle of Hysiai.
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Metadaten
Author:Elena Franchi
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-412648
URL:http://s145739614.online.de/fera/ausgabe29/Franchi.pdf
ISSN:1862-8478
Parent Title (German):FeRA : Frankfurter elektronische Rundschau zur Altertumskunde
Document Type:Article
Language:German
Year of Completion:2016
Year of first Publication:2016
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2016/09/05
Volume:2016
Issue:29
Pagenumber:42
First Page:1
Last Page:42
HeBIS PPN:399085475
Institutes:Geschichtswissenschaften
Dewey Decimal Classification:930 Geschichte des Altertums bis ca. 499, Archäologie
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

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