"Freundschaft : Konzepte und Praktiken in der Sowjetunion und im kulturellen Vergleich"

Eines der zentralen Konzepte, auf das sich die Sowjetunion in ihrem Selbstverständnis als neue Zivilisation berief, war das Konzept der "Völkerfreundschaft" (družba narodov). Über den naheliegenden Zusammenhang mit der s
Eines der zentralen Konzepte, auf das sich die Sowjetunion in ihrem Selbstverständnis als neue Zivilisation berief, war das Konzept der "Völkerfreundschaft" (družba narodov). Über den naheliegenden Zusammenhang mit der sowjetischen Nationalitätenpolitik (insbesondere stalinscher Prägung) hinaus verweist es auf die propagierte sowjetische Ethik – die Gleichheit aller Sowjetbürger nach der Abschaffung der Klassengesellschaft. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wird dieses Modell des gemeinschaftlichen Zusammenlebens bezogen auf den Raum der Sowjetkultur vor allem als machtpolitische Strategie bzw. in seiner mythenhaften Dimension betrachtet. Anliegen des Workshops ist es, ausgehend vom sowjetischen Freundschaftsbegriff unterschiedliche Facetten und Implikationen der Freundschaft im interkulturellen Vergleich zu diskutieren. So haben Länder und Regionen im Süden und Osten Europas (wie Georgien) beispielsweise die Gastfreundschaft als kulturelle Praktik zu ihrem "Markenzeichen" erklärt. Die Art und Weise, wie die Gastfreundschaft in Literatur und Kunst verhandelt bzw. repräsentiert wird, ist ein Indiz für die nachhaltige Bedeutung des Paradigmas, das bis in aktuelle Konflikte und juristische Diskurse (wie etwa die Frage nach dem Gastrecht oder das ethnisch begründete Restitutionsgesetz im heutigen Abchasien) hineinreicht. Gefragt wird u.a. nach den politischen Implikationen des Freundschaftsbegriffs, nach der Übertragung des interpersonellen Konzepts Freundschaft auf Völker im (sowjetischen) Konzept der Völkerfreundschaft, nach Politisierungsstrategien, nach unterschiedlichen Praktiken der (Gast-)Freundschaft (u.a. im Kontext der Derridaschen Ethik oder der Positionen von C. Schmitt, P. Klossowski oder M. Mauss) oder etwa nach der Bildung formeller und informeller Netzwerke in unterschiedlichen kulturellen und historischen Kontexten. Schwerpunktmäßig im 20. und 21. Jahrhundert angesiedelt, wird im Rahmen des Workshops auch die Genese der (sowjetischen) Konzepte und Praktiken der Freundschaft aus der Antike bzw. der Vormoderne thematisiert.
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Metadaten
Author:Zaal Andronikashvili, Susanne Frank, Giorgi Maisuradze, Franziska Thun-Hohenstein, Stefan Willer
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-413837
URL:http://www.zfl-berlin.org/tl_files/zfl/downloads/publikationen/interjekte/Interjekte_2.pdf
DOI:http://dx.doi.org/10.13151/IJ.2011.02
Parent Title (German):Interjekte ; 2.2011
Publisher:Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL)
Place of publication:Berlin
Document Type:Book
Language:German
Year of Completion:2011
Year of first Publication:2011
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2016/08/04
Tag:Freundschaft, Begriff; Gastfreundschaft, Begriff
SWD-Keyword:Gastfreundschaft; Gastfreundschaft <Motiv>; Kaukasische Völker; Kulturbeziehungen; Kunst; Literatur; Sowjetunion; Völkerverständigung
Pagenumber:47
First Page:3
Last Page:47
Note:
Texte basieren auf dem gemeinsamen Workshop des ZfL und der Staatlichen Ilia-Universität Tbilissi, Tbilissi 10.–11. Oktober 2011
HeBIS PPN:38756536
Dewey Decimal Classification:800 Literatur und Rhetorik
809 Geschichte, Darstellung, Literaturwissenschaft und –kritik
Sammlungen:CompaRe | Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin
Zeitschriften / Jahresberichte:Interjekte
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Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

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