Topographie und kulturelle Semantik von 'Land und Meer' : der Europadiskurs zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer

Gegenstand und Betrachtungsweise des Buches sind nicht nur im Hinblick auf die Entstehung inmitten von Kriegszeiten bemerkenswert, insofern darin von jeder zeitgeschichtlichen Bezugnahme abgesehen wird. Das Buch untersch
Gegenstand und Betrachtungsweise des Buches sind nicht nur im Hinblick auf die Entstehung inmitten von Kriegszeiten bemerkenswert, insofern darin von jeder zeitgeschichtlichen Bezugnahme abgesehen wird. Das Buch unterscheidet sich auch deutlich von den vorausgegangenen Arbeiten des Staatsrechtlers Schmitt, der den Aufstieg des NS mit seinen rechtswissenschaftlichen Arbeiten unterstützt hatte und noch 1939 die Expansionspolitik des Dritten Reiches mit einer Schrift zur 'Völkerrechtlichen Großraumordnung' zu legitimieren bemüht war, in der er den Staatsbegriff durch den des Volkes ablöst. Schmitts Grundthese in 'Land und Meer', dass nämlich die Weltgeschichte "eine Geschichte des Kampfes von Seemächten gegen Landmächte und von Landmächten gegen Seemächte" sei, ist jedem Tagesbezug enthoben. Sie wird vielmehr durch eine anthropologische Universalie grundiert, die sich bereits im Grundakkord formuliert findet, mit dem das kleine Büchlein einsetzt: "Der Mensch ist ein Landwesen, ein Landtreter." Der ins Literarische hinüberspielende Stil von 'Land und Meer', dessentwegen das Buch von vielen zu Recht in sprachlicher Hinsicht als Schmitts bestes bewertet wird, erklärt sich nicht nur aus der Widmung an seine damals elfjährige Tochter: "Meiner Tochter Anima erzählt." Er verdankt sich auch einer geschichtsphilosophischen Erzählweise. Indem das Buch die europäische Geschichte in menschheitsgeschichtlichen Begriffen deutet, arbeitet es allerdings Schmitts ausdrücklichem Anliegen entgegen, dem Schatten des Mythos zu entkommen. Dieses jedenfalls war die Konsequenz, die er in seinem Hobbes-Buch aus der dort kritisierten Deutung der Staatsform mit Hilfe des Leviathan-Motivs formuliert hatte - wie bereits der Untertitel "Sinn und Fehlschlag eines politischen Symbols" signalisiert.
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Metadaten
Author:Sigrid Weigel
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-417703
ISBN:978-3-86599-152−2
Parent Title (German):Grundordnungen : Geographie, Religion und Gesetz / Zaal Andronikashvili ; Sigrid Weigel (Hg.), LiteraturForschung ; Bd. 14
Publisher:Kulturverlag Kadmos
Place of publication:Berlin
Editor:Zaal Andronikashvili, Sigrid Weigel
Document Type:Part of a Book
Language:German
Date of Publication (online):2016/10/25
Year of first Publication:2013
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2016/10/25
Tag:Topographie <Kulturwissenschaft>
SWD-Keyword:Begriffsgeschichte <Fach>; Europabild; Kulturelle Identität; Land und Meer; Landmacht; Orientalische Frage; Schmitt, Carl; Seemacht
Pagenumber:23
First Page:29
Last Page:47
HeBIS PPN:390303119
Dewey Decimal Classification:800 Literatur und Rhetorik
809 Geschichte, Darstellung, Literaturwissenschaft und –kritik
Sammlungen:CompaRe | Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin
BDSL-Classification:BDSL-Klassifikation: 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.08.00 Zu einzelnen Germanisten, Literaturtheoretikern und Essayisten
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $