Refine
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Georeferenzierte Digitalfotografie zur objektiven und reproduzierbaren Quantifizierung von Rastvögeln auf See
(2011)
- Ein Ausbau der Windenergienutzung auf See könnte zu einem deutlichen Verlust an störungsfreien Überwinterungs- und Rastgebieten für Seevögel führen. Um die Auswirkungen von Windparks vor, während und nach ihrem Bau einschätzen zu können, werden im derzeitigen Standarduntersuchungskonzept des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) neben schiffs- auch flugzeugbasierte Vogelzählungen empfohlen. Diese visuellen Transektzählungen haben jedoch methodische Nachteile. Aus der zur Arterkennung erforderlichen Flughöhe (78 m) und mit entsprechender Fluggeschwindigkeit können bei hohem Vogelaufkommen lediglich grobe Bestandskategorien geschätzt werden. Darüber hinaus üben Flugzeuge in dieser Höhe eine Scheuchwirkung auf Rastvögel aus, wodurch die Erfassbarkeit einiger Arten (v. a. Trauerenten) zusätzlich erschwert und die zu untersuchende Störwirkung von Windparks überlagert wird. In der vorliegenden Pilotstudie vergleichen wir eine herkömmliche Flugzeugtransektzählung mit einer kurz zuvor durchgeführten fotografischen Seevogelerfassung über der Wismarbucht in der deutschen Ostsee. Die fotografische Kartierung erfolgte mit einer hoch auflösenden Digitalkamera (39 Megapixel) aus 200 m Höhe. Entlang definierter Transekte wurden in regelmäßigen Abständen 415 entzerrte, maßstabsgetreue Digitalfotos (Orthofotos) aufgenommen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass bei der herkömmlichen Flugzeugtransektzählung die Bestände von Meeresenten (Eider-, Eis-, Trauerenten) deutlich unterschätzt wurden. Die Abweichung gegenüber der fotografischen Methode variierte deutlich zwischen den Arten. Während des visuellen Zählflugs wurden ohne Korrekturfaktoren 85 % (Eiderente), 41 % (Eisente) und lediglich 2 % (Trauerente) der fotografisch nachgewiesenen Individuen erfasst. Die Ursachen für diese quantitativen Unterschiede werden diskutiert.
