Refine
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Habitat-Strukturen und populationsdynamische Parameter einer Population der Zippammer (Emberiza cia): Nutzbare Basisdaten für zukünftige Zippammer-Managementpläne
(2011)
- Ergebnisse aus einer zehnjährigen Langzeitstudie zur Populationsdynamik der Zippammer Emberiza cia L. in einem steilen, terrassenförmig angelegten Weinberghabitat am Oberen Mittelrhein (Schuphan 1972) wurden verglichen mit Ergebnissen von achtjährigen Untersuchungen in steilen Fichten-Kahlschlag-Habitaten am Ostabfall des Pfälzerwaldes (Groh 1988), sowie mit Ergebnissen von siebenjährigen Untersuchungen in einem steilen natürlichen Felssteppen-Habitat an der Rhone des Wallis in der Schweiz (Keusch 1991). Das Ziel ist, Habitatunterschiede herauszustellen und habitatabhängige Einflüsse auf die populationsdynamischen Parameter zwischen diesen geographisch getrennten Populationen zu erfassen, um die Erkenntnisse für differenzierte Zippammer Managementpläne nutzbar zu machen. Am Rhein trugen 618 überwiegend farbig beringte Zippammern zu den Ergebnissen bei, im Pfälzerwald 157 und an der Rhone 993 markierte Zippammern. Die großen Unterschiede im Habitat (steile Weinbergterrassen, steile Fichtenkahlschläge, steile Felsensteppe) spiegelten sich wider in der Größe der Reviere. Diese waren am Rhein und im Pfälzerwald, topographisch bedingt, in ihren Grenzen relativ fest vorgegeben, im Wallis weit flexibler. Die Größenunterschiede waren im Fall des Pfälzerwaldes durch die Ausmaße der Kahlschläge vorgegeben und im Fall der sich verändernden Walliser Reviere offensichtlich durch anfängliche Nahrungslimitierung bedingt. Die kleineren Reviere am Rhein waren Ausdruck eines optimalen Nahrungsangebots und bedingten dadurch eine größere Populationsdichte. Insbesondere die Daten zur Altersstruktur der Populationen ergaben bedeutende Unterschiede zwischen Rhein und Wallis, für den Pfälzerwald lagen keine Daten vor. Von den M am Mittelrhein kehrten im nächsten Jahr 69 % (W 49 %) und im darauf folgenden Jahr noch 42 % (W 23 %) der ursprünglich vorhandenen Revierinhaber (100 %) zurück. Im Wallis lagen die Rückkehrquoten bei 39 % für die M (W 27 %) und im nächst folgenden Jahr für die M bei 16,7 %. Aus der demographischen Verteilung ergab sich über zehn Jahre am Rhein ein mittleres Alter für die M von 2,6 Jahren (n = 103) und für die W von 2,0 Jahren (n = 101). Im Wallis wurde während drei aufeinander folgenden Brutperioden das Durchschnittsalter für die Zippammer M im ersten Jahr mit 1,3 Jahre (n = 16) und in beiden darauffolgenden jeweils mit 1,7 Jahre (n = 9 bzw. n = 13) bestimmt. Am Oberen Mittelrhein verblieb ca. ein Drittel der Brutvögel im milden Kernhabitat selbst. Das Pfälzerwald Brutgebiet wurde vollständig geräumt. Im Wallis verließen die Brutvögel ebenfalls die Brutreviere. Fünf Zippammer-Fernwiederfunde vom Rhein (Herbst-Winter) wiesen alle in Richtung SW, Leitlinien könnten das Nahe- und Moseltal sein. Der entfernteste Fund (1020 km) lag bei Biarritz (West-Frankreich). Überwinterer sowie Zugvögel hatten also keine mit den Alpen vergleichbaren Schneeverhältnisse (Futtermangel) zu überwinden. Trotz dieser Unterschiede realisierten beide Populationen Stabilität, aber auf verschiedenen Niveaus. Das Erlöschen der Population im Pfälzerwald nach 1990 stand in offensichtlichem Zusammenhang mit dem Verlust der Kahlschläge (Aufforstung). Diese früheren sowie neue eigene Daten von 2007-2010 zeigen, dass montan adaptierte Zippammer-Populationen im Wallis, im Schwarzwald, in den Vogesen und im Pfälzerwald nicht die nahe gelegenen Weinbau geprägte Steillagen besiedeln, wie diese im Elsass oder an der Weinstrasse gegeben sind. Auf diese unterschiedliche Bevorzugung von Habitatstrukturen muss geachtet werden, wenn eine gezielte Förderung der Zippammern in Managementplänen erfolgen soll.
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Die Zippammer (Emberiza cia) - eine Vogelart, die große Klimaunterschiede ertragen kann
(2011)
- Die Zippammer kommt in Mitteleuropa an ihrer nördlichsten Verbreitungsgrenze in den klimatisch günstigen Gegenden des Mittelrheins mit seinen Nebenflüssen und des Mains vor. Diese sind gekennzeichnet durch felsige, nach S ausgerichtete sonnenscheinreiche Gebiete und Terrassenweinbau wie an Ahr, Mosel, Mittelrhein, Nahe und Main gegeben. Dagegen ist die Art im Südschwarzwald und den Vogesen überwiegend in Höhen von über 1.000 m, in der Schweiz sogar über 2.300 m, verbreitet. Das dortige Habitat ist ebenfalls von steiler, felsiger Struktur oder befindet sich auf Kahlschlägen oder Windbruchflächen. Nach der Revierbesetzung im März-April ist es dort häufig bis in den Juni hinein kalt, stürmisch, wolkenverhangen und nass bis über die erste Brutperiode hinaus. Die südliche Exposition und spezielle Beschaffenheit aller Reviere, auch in großen Höhen, kann in Zusammenhang gebracht werden mit der bevorzugten Insektenentwicklung auf solchen Hängen, zum einen der Lepidopteren-Larven für die Aufzucht der ersten Zippammer- Brut und dann folgend der Heuschrecken als Nahrungsgrundlage für die Aufzucht der zweiten Brut. Am klimatisch günstigen Südschwarzwald-Hangfuß, wie auch am klimatisch bevorzugten Hangfuß der Vogesen, den Weinbau- Terrassen des Elsass, kommt die Zippammer nicht vor. Aufgrund der zeitweisen Besiedlung von Fichtenkahlschlägen am Ostabfall des Pfälzerwaldes und nicht der Weinberg- Terrassen des klimatisch günstigen Hangfußes des Pfälzerwaldes (Pfälzer Weinstrasse) wird geschlossen, dass die Besiedlung des Pfälzerwaldes von dem gebirgsadaptierten Zippammervorkommen der südlich gelegenen Vogesen erfolgte (Entfernung 150 km) und nicht von dem wärmeadaptierten nördlich liegenden mittelrheinischen Zippammervorkommen. Es wird die Hypothese aufgestellt, dass die nördlichen weinbergadaptierten Vorkommen zusammen und die südlich gelegenen gebirgeadaptierten Vorkommen der Zippammer je eine genetisch getrennte Metapopulation bilden könnten und ihr unterschiedliches Verhalten nicht nur ihre phänotypische Plastizität widerspiegelt.
