Refine
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Vogelbeobachtung und Artenzahlen - eine Lokalstudie mit intensiver audiovisueller Registrierung
(2010)
- Von 1978 bis 1987 wurden auf und von einer Fläche von ca. acht ha am Ortsrand von Garmisch-Partenkirchen in den bayerischen Voralpen in 811 m ü. NN mit mehreren täglich eingesetzten Beobachtern 122 Vogelarten registriert, darunter sechs (5 %) in mehr als 99 % und 44 (36 %) in weniger als 1 % der 730 Pentaden. 56 Arten waren Brutvögel. Das jährliche Artenspektrum einschließlich der Brutvögel ergab keine tendenzielle Veränderung in zehn Jahren. In den folgenden drei Jahren wurden keine neuen Arten auf der Kontrollfläche, sondern nur sieben in einzelnen Individuen überfliegend registriert. 72 % der Artnachweise pro Pentade gelangen bereits im ersten Beobachtungsjahr, 9 % im 2. Jahr und je etwa 1 % in den Jahren sieben-zehn. Die Artensummen aus zehn Jahren zeigten den zu erwartenden Jahresgang mit 70 Arten/ Pentade im Mai (11./15.5.) und von 31 im Januar (1.1.-15.1.) sowie im Dezember (22./26.12.); das höchste Tagesmaximum mit 40 Arten lag in Pentade 22 (16./20.5.), das niedrigste mit 16 Arten in Pentade 72 (22./ 26.12.). Über das Jahr waren Artensummen von Pentaden mit Tagesmedianen signifikant positiv korreliert, Artenzunahme im Frühjahr/Artenabnahme im Herbst positiv mit den Mitteltemperaturen und negativ mit der Zahl der Tage mit geschlossener Schneedecke. Überraschenderweise zeigte die Zahl der Beobachtungstage, die nötig waren, um einen bestimmten Artenanteil pro Pentade zu entdecken, keinen Jahresgang. Über alle Pentaden wurden 25 % der Artensumme im Mittel in 1,2, 50 % in 3,7, 75 % in 11,1 und 100 % in 43,9 Beobachtungstagen entdeckt, also im ersten, ersten, dritten und neunten Jahr. Trotzdem spielt unterschiedliche Antreffwahrscheinlichkeit bei saisonalen Vergleichen von Artenzahlen eine wichtige Rolle. Von 22 Pentaden zwischen Mitte April und Ende Juli wurden nur in neun alle 41 ausgewählten Brutvogelarten entdeckt. Der Nachweis von 50 % der Brutvogelarten gelang am ersten, von 65 % am dritten und von 80 % nach dem sechsten Beobachtungstag. Während der Brutzeit waren je nach dem Stand des Brutgeschäfts über alle Sommervögel unterschiedliche Antrefftreffwahrscheinlichkeiten zu erkennen, ebenso bemerkenswerte artspezifische Unterschiede. Zu den Brutvögeln mit hohem Zeitaufwand für Artnachweise zählten Kernbeißer, Misteldrossel, Klappergrasmücke, Sumpfmeise und Grauschnäpper. Die Erfahrungen mit sehr intensiver, langfristiger Beobachtung zeigen, dass zur Ermittlung eines vollständigen Brutvogelinventars auch auf kleineren Flächen mehr als vier Kontrolltage sowie Kontrollen bis Ende Juli vorzusehen sind. Man wird vorgeschlagene methodische Mindeststandards für präzise oder komplexe Fragestellungen (z. B. Abundanzschätzungen) deutlich erweitern müssen. Unsere Daten legen auch nahe, dass für die audio-visuelle Ermittlung von Ankunfts- und Abzugsdaten mehr Zeitaufwand einzusetzen ist als bisher üblich. Möglicherweise geben standardisierte Ermittlungen von saisonalen Artenspektren dem Vogelbeobachter mehr Möglichkeiten in die Hand, Effekte des Klimawandels zu verfolgen (vgl. Abb. 3).
