Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen, Band 20/21 (1995)
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Zur Populationsgeschichte der Laufkäfer Carabus punctatoauratus Germar und Carabus auronitens Fabricius (Coleoptera, Carabidae): Über Endemismus in eiszeitlichen Refugialräumen und postglaziale Arealausweitung
(1995)
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Thorsten Assmann
- Die Bedeutung der Pyrenäen und anderer südfranzösischer Gebirge als eiszeitliche
Refugialräume (massifs de refuge) wird anhand von Verbreitungsanalysen dargestellt. Endogäische und
hypogäische, anophthalme Käferarten zeigen eine Verbreitungslücke in den während der letzten Eiszeit
stark vergletscherten Zentralpyrenäen. Diese Region wird von einer alpinen Fauna besiedelt, die
sich durch eine reduzierte Artenzahl endemischer, flug unfähiger Carabiden auszeichnet, während in
den nicht vergletscherten Regionen die Zahl solcher Arten hoch ist.
Carabus punctatoauratus ist auf bestimmte Regionen in den östlichen und nördlichen Randpyrenäen
beschränkt. Bis auf ein kleines Gebiet in den Zentralpyrenäen verhält sich die Art endemisch und lebt
noch heute nahezu ausschließlich in den ehemaligen eiszeitlichen Refugialräumen. Die Bedeutung der
nördlichen Pyrenäen als ein altes Refugialgebiet für C. punctatoauratus wird durch den Nachweis einer
hohen genetischen Variabilität an einigen Enzym-kodierenden Genen bestätigt. Die morphologische
Differenzierung der Subspezies erfolgte wahrscheinlich während der Eiszeiten, als die Populationen
durch Gletscher und ihre Vorfelder lange voneinander getrennt waren. In montanen Lagen scheinen die
Käfer auf Wälder begrenzt zu sein, während sie in der subalpinen Zone auch in baumfreien Bereichen
leben. Die Art ist hygrophil und kommt ausschließlich auf wasserzügigen Böden mit hoher Feuchtigkeit
vor. C. punctatoauratus ist demnach eine petrophile Art nach den Definitionen von Holdhaus (1954)
und Brandmayr (1983).
Carabus auronitens ist die Schwesterart von Carabus punctatoauratus. Für eine lang andauernde,
bereits vor der letzten Eiszeit begonnene Separation der beiden Arten spricht das Ausmaß an genetischer
Differenzierung auf dem Allozym- und mtDNA-Niveau.
Carabus auronitens bewohnt in Südfrankreich drei glaziale Refugialgebiete: die Montagne Noire (inkl.
die Monts de Lacaune), die Umgebung von Rodez (Dep. Aveyron) und die Cevennen. Nördlich und
westlich der Cevennen ist die Art weit und relativ kontinuierlich verbreitet. Auch in den Ostalpen und
Karpaten werden von C. auronitens eiszeitliche Refugialgebiete bewohnt. Nördlich der potentiellen
Refugialgebiete besiedelt C. auronitens ein großes Verbreitungsgebiet von Westfrankreich bis Polen.
Da die Art nicht in der alpinen Zone und auf Permafrostboden lebt, scheint eine Überdauerung von
C. auronitens während der Eiszeiten nördlich der Holdhaus-Linie nicht möglich gewesen zu sein.
Verbreitung und genetische Differenzierungen zeigen ein unterschiedliches Ausbreitungspotential der
Populationen von C. auronitens in den drei südfranzösischen Arealen: Wenigstens in einem Refugium
(Montagne Noire) verhielten sich die Populationen endemisch, während zumindest die Populationen
aus den Cevennen West-, Nordfrankreich und möglicherweise auch Westdeutschland besiedelt haben.
Diese Populationen verhielten sich als Rückwanderer über weite Distanz (Hold haus 1954). Conspezifische
Populationen anderer Arten zeigen ebenfalls Unterschiede hinsichtlich ihres postglazialen Ausbreitungsverhaltens.
Da ökologische oder geographische Ausbreitungsschranken in einigen Fällen
nicht erkennbar sind, kann die postglaziale Rückwanderung durch besonderes Lokomotions- und
Orientierungsverhalten bedingt sein.
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Biozönotische Untersuchungen in Hudelandschaften Nordwestdeutschlands - Grundlagen und erste Ergebnisse
(1995)
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Thorsten Aßmann
Anselm Kratochwil
- Hudelandschaften stellen im nordwestdeutschen Tiefland Lebensräume besonders
hoher biologischer Diversität dar. Während einer über lange Zeiträume andauernden extensiven Bewirtschaftung
durch den Menschen entstand ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Vegetationseinheiten.
Die von geobotanischer Seite gut untersuchten Pflanzengesellschaften und Vegetationskomplexe
bieten sich als Objekte biozönologischer Forschung an. Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung
ist das Studium von Reliktarten-Gemeinschaften alter Wälder. Unter den Carabiden, Chilopoden und
Limaciden können Reliktarten benannt werden. Freilandexperimente zum Ausbreitungsverhalten und
populationsgenetische Untersuchungen an Cerabiden wurden durchgeführt, um Unterschiede zwischen
einer Reliktart und einer weit verbreiteten Art untersuchen zu können. Strukturreiche, ehemalige
Hudewälder besitzen im Vergleich zu den strukturarmen Wirtschaftshochwäldern unterschiedliche
Artengemeinschaften an Chilopoden, Diplopoden und Carabiden. Die Hudelandschaften weisen eine
Reihe von Teil-Lebensräumen auf, die heute landesweit hochgradig gefährdet sind. Hierzu gehören z.B.
die Tot- und Altholzbestände, die durch besonders typische Zersetzer-Gemeinschaften unter den
Arthropoden charakterisiert sind; auch diese sind Gegenstand unserer biozönologischen Untersuchungen.
Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt in der Charakterisierung einzelner Zoo- Taxozönosen
(Coleoptera, Lepidoptera, Diptera, Orthoptera) auf der Basis des pflanzensoziologischen Rasters. Im
Bereich der Ornithofauna haben wir uns bisher intensiver mit den Meisen-Gemeinschaften ausgewählter
Hudegebiete befaßt und die verschiedenen Bindungsgrade an spezifische Ressourcen der Standorte
analysiert. Im Rahmen dieser Arbeit wird gezeigt, daß die Erforschung von Biozönosen unter Landschaftsbezug
und unter Berücksichtigung von Pflanzengesellschaften und Vegetationskomplexen
wichtige Ergebnisse liefert. Im Falle der Hudelandschaften kommt auch kulturgeschichtlichen Zusammenhängen
eine große Bedeutung für das Verständnis des Aufbaues solcher Ökosysteme zu.
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Ein Vorkommen der Kleinlibelle Cercion lindeni (Selys, 1840) an der Hase bei Osnabrück.
(1995)
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Richard Binkowski
- Die Kleinlibelle C. Iindeni wurde erstmals in Südwest-Niedersachsen festgestellt. Von
dieser sowie von 14 assoziierten Libellenarten im Beobachtungsgebiet wird die Häufigkeit der Imagines
sowie deren Verhalten an sechs Beobachtungstagen innerhalb einer definierten Bachstrecke beschrieben.
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Beiträge zur Kenntnis von Halolaelaps (Halogamasellus subgen. nov.), (Acari: Gamasida: Halolaelapidae)
(1995)
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Czeslaw Blaszak
Rainer Ehrnsberger
- Es werden Milben der Gattung Halolaelaps Berlese & Trouessart, 1889 bearbeitet und
die neue Untergattung Halolaelaps (Halogamasellus) etabliert. Folgende neue Arten werden in dieser
neuen Untergattung beschrieben: Halolaelaps (Halogamasellus) evansi, Halolaelaps (Halogamasellus)
janinae und Halolaelaps (Halogamasellus) willmanni. Für die Männchen und Weibchen der Halolae/aps
(Halogamasellus)-Arten wird ein Bestimmungsschlüssel aufgestellt. Die Typus-Art der Gattung Saprolae/
aps Leitner, 1946 Saprolaelaps subtilis Leitner, 1946 wird in die neue Untergattung übertragen.
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Neue Insekten-Funde (Palaeodictyoptera: Breyeriidae) aus dem Ober-Karbon von Osnabrück (Deutschland)
(1995)
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Carsten Brauckmann
- Zwei neue, zu den Palaeodictyoptera: Breyeriidae gehörende Insekten-Flügel aus
Schichten des Westfalium 0 (Ober-Karbon) vom Piesberg nördlich Osnabrück werden beschrieben.
Breyeria bistrata n.sp. ähnelt den beiden Arten B. rappi Carpenter, 1967 und B. barborae Kukalova,
1959, unterscheidet sich aber von diesen vor allem durch den fast geraden Flügel-Vorderrand und die
größere Anzahl von Zweigen. Hasa/a inferiorsaxonica n.g. n.sp. ist gekennzeichnet durch die sehr lange,
in den Vorderrand mündende ScP-, die Anwesenheit einer Stützader rp-ma und die deutlich ausgebildete
sekundäre Korrugation.
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Vassilevascus gen. nov., a new genus of the family Ascouracaridae Gaud & Atyeo, 1976 (Astigmata; Pterolichoidea)
(1995)
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Jacek Dabert
Rainer Ehrnsberger
- Auf der Grundlage einer Milbe aus Touessarts Sammlung wird die Vogelfedermilbe Dermoglyphus
monstrosus vom Blauwangenlori Trichoglossus haematodus cyanogrammus (Aves; Psittaciformes)
übertragen in die neue Gattung Vassilevascus gen. nov. (Astigmata; Pterolichoidea).
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Heinrich Kunz 2.5.1905-26.1.1995
(1995)
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Rainer Ehrnsberger
- Heinrich Kunz
2.5.1905-26.1.1995
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Die Vegetation der Hase und ihres Auegebietes von der Quelle bis Bramsehe
(1995)
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Elmar Fischer
- Die Vegetation der Hase und ihres Auegebietes wurde 1992 mit Ausnahme des Stadtgebietes
Osnabrück von der Quelle bis Bramsche untersucht. Die Pflanzengesellschaften werden
beschrieben und synsystematische Fragestellungen angeschnitten. Problematisch ist die Bewertung
fragmentarisch ausgebildeter Pflanzengesellschaften, die in dem durch zahlreiche anthropogene Einflüsse
überformten Gebiet häufig auftreten. Dennoch weist der bearbeitete Bereich des Hase-Aue-
Komplexes eine Anzahl floristisch und ökologisch wertvoller Flächen auf. Mit 454 nachgewiesenen
Gefäßpflanzen ist die floristische Diversität des untersuchten Gebietes recht hoch, in den verschiedenen
Untersuchungsabschnitten jedoch sehr uneinheitlich. Auch wenn im Vergleich mit einer 1975
durchgeführten Kartierung ein leicht erhöhtes Arteninventar des Flusses registriert wird, darf dies nicht
über die anhaltend hohe, für einige Schadstoffe sogar steigende Belastung des Flusses und die immer
noch andauernde Intensivierung der Landwirtschaft im Auebereich hinwegtäuschen.
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Die Gamma-Strahlen-Meßkurve der Oberjura-Gesteinsfolgen in Preußisch Oldendorf und Wehrendorf (Westliches Wiehengebirge, Nordwestdeutschland)
(1995)
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Franz Jürgen Harms
Horst Klassen
- Im Wiehengebirge (Osnabrücker Bergland) wurden die lithostratigraphisch gegliederten
Gesteinsfolgen des Oberjura (Oxford, Kimmeridge, Gigas-Schichten bis Eimbeckhäuser Platten kalk) in
zwei Tagesaufschlüssen am Linken-Berg bei Preußisch Oldendorf und am Osterberg bei Wehrendorf
mit einer Gamma-Sonde nach dem Scintillometer-Prinzip vermessen. Oie synthetisch erzeugten Gamma-
Kurven lassen sich eindeutig mit den Gamma-ray-Kurven der in der Nähe niedergebrachten Bohrungen
vergleichen.
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Veränderungen der Cladocerenfauna des Feldungelsees in den letzten 25 Jahren
(1995)
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Werner Hollwedel
- Die Cladocerenfauna des eutrophen Feldungelsees nördlich von Osnabrück wurde
1990-1994 untersucht; die Ergebnisse werden mit den Untersuchungen 1963-1968 verglichen. Es wurden
jetzt 34 Arten festgestellt; 5 Arten wurden nicht wiedergefunden, 4 Neuzugänge wurden nachgewiesen:
Alone/la nana, Pleuroxus aduncus und zwei Daphnia-Arten, die aus Amerika stammenden
D. ambigua und D. parvula. Eine auf Grund der negativen Vegetationsentwicklung im Feldungelsee zu
vermutende starke Veränderung der Cladocerenfauna ist nicht eingetreten.