Kleider(bau)kunst : die Grundlegung einer Ästhetik der Oberfläche in der Mode bei Gottfried Semper (1803 – 1879)

Seine Ansätze zu einer Ästhetik der Oberfläche entwickelte Semper – gleichzeitig wie Marx seine Theorie des Fetischcharakters der Ware – angesichts der unabsehbaren Auslagen der Kunstindustrie, in denen sich das fortschr
Seine Ansätze zu einer Ästhetik der Oberfläche entwickelte Semper – gleichzeitig wie Marx seine Theorie des Fetischcharakters der Ware – angesichts der unabsehbaren Auslagen der Kunstindustrie, in denen sich das fortschrittsgläubige Bürgertum des technischen Zeitalters auf den nationalen und internationalen Gewerbeausstellungen feierte und aus denen es seine vitalsten Energien schöpfte. Semper verfasste seine epochemachende Schrift „Wissenschaft, Industrie und Kunst“ als Reaktion auf die Londoner Weltausstellung von 1851, wo Joseph Paxtons berühmter Crystal Palace der neuen Warenherrlichkeit nicht nur reichlich Raum zur Ausbreitung bot, sondern die neuen Materialien Eisen und Glas auch gleich selbst eindrücklich zur Schau stellte. Die Schrift nimmt frühere Überlegungen zur Bemalung antiker Tempel und Statuen auf und mündet später in Sempers Hauptwerk „Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten“ (1860–1863). Das Prinzip, unter das Semper seine »praktische Ästhetik« (so lautet der Untertitel des Werks) stellt, ist jenes der Bekleidung. Damit wären wir bei der im Titel angekündigten Mode angelangt. Am Leitfaden der Mode möchte ich im Folgenden die Anfänge einer modernen Ästhetik der Oberfläche bei Semper exemplarisch für die deutschsprachige Kunsttheorie verfolgen. […] Ihre Produktivität ist nicht nur in der von industriell-technischen Entwicklungen inspirierten ›praktischen‹ Ästhetik zu beobachten, für die Semper ein Beispiel ist. Sie schlägt sich ebenso in der von den schönen Künsten und der Kunstphilosophie herkommenden ›idealistischen‹ Ästhetik nieder, wie sie etwa Friedrich Theodor Vischer (1807–1887) vertritt. Hier scheint die Mode ihre für die Reflexion über Kunst innovative Funktion gerade ihrer Randständigkeit, ihrem provokativen Außenseitertum im Verhältnis zum ästhetischen Kanon zu verdanken. Dieser Umstand verbindet sie mit der Karikatur und dem Hässlichen.
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Metadaten
Author:Hans-Georg von Arburg
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-244665
URL:http://www.plurale-zeitschriftfuerdenkversionen.de/plurale0_arburg.pdf
ISSN:1618-9205
Parent Title (German):Plurale : Zeitschrift für Denkversionen
Publisher:Plurale e.V.
Place of publication:Berlin
Document Type:Article
Language:German
Date of Publication (online):2012/03/20
Year of first Publication:2001
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Release Date:2012/03/20
SWD-Keyword:Mode; Oberfläche; Semper, Gottfried; Ästhetik
Volume:0
Pagenumber:22
First Page:49
Last Page:70
HeBIS PPN:323266185
Institutes:Extern
Dewey Decimal Classification:800 Literatur und Rhetorik
Sammlungen:GiNDok
Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
BDSL-Classification:BDSL-Klassifikation: 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik
BDSL-Klassifikation: 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.15.00 Zu einzelnen Autoren
BDSL-Klassifikation: 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
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