Denken und Beobachten : vier Vorlesungen zu einer Philosophie des Beobachtens ; (Auszug)

Die Bezeichnung »Philosophie des Beobachtens« – auch jetzt noch spüre ich seine Eigenartigkeit – hat eine eigene kleine Geschichte. Im Jahre 1969 begannen David Beniaminovič Zil‘berman (der in Moskauer philosophischen Kr
Die Bezeichnung »Philosophie des Beobachtens« – auch jetzt noch spüre ich seine Eigenartigkeit – hat eine eigene kleine Geschichte. Im Jahre 1969 begannen David Beniaminovič Zil‘berman (der in Moskauer philosophischen Kreisen dieser Zeit durchweg als Ėdik auftrat) und ich, über ein philosophisches Thema nachzudenken, das wir mit der Wortneuschöpfung »Psychologie des Beobachtens« bezeichneten. Im Rahmen eines Vortrags legten wir 1971 einige Prämissen einer Psychologie des Beobachtens in einem Seminar Jurij Aleksandrovič Levadas vor. […] Abgesehen von einem kurzen Artikel, den ich über Zil’berman nach seinem Tod im Jahre 1979 schrieb, wendete ich mich mindestens 20 Jahre nicht mehr dem Thema des philosophischen Beobachtens zu. Ich kehrte zu diesem zurück angelegentlich heutiger historiosophischer Versuche der Bewusstwerdung über »unsere« Zeit, denen zufolge »unsere« Zeit über eigentümliche Charakteristika verfüge, welche dem konzeptualisierenden Denken gegenüber unabhängig seien. Diese Versuche der Theoretiker der Postmoderne – in ihrer Sinnlosigkeit höchstens denen ihrer Opponenten ebenbürtig (welche darauf beharren, dass die Geschichte dem Menschen »naturgegeben« sei) – gaben mir den Anlass, einige grundlegende Ideen philosophischen Beobachtens zu überdenken, und zwar ganz ohne sie an die Psychologie anzuschließen. Ich begann zu denken, dass gerade der Zugang über die Beobachtung beim Erfassen einiger theoretischer und lebensweltlicher Situationen hilfreich sein kann, in denen es vom Standpunkt der Metatheorie der Erkenntnis oder von dem der Phänomenologie aus schwer wäre, sich zurechtzufinden (wenngleich die Philosophie des Beobachtens sowohl mit dieser als auch mit jener vieles gemein hat). Einige allgemeine Überlegungen zum philosophischen Beobachten legte ich 1994 in den ersten vier Vorlesungen über die Phänomenologie der Religion, gehalten vor Studenten der Schule für Orientstudien an der Londoner Universität (SOAS), dar. Diese allgemeinen Überlegungen bildeten auch die Grundlage der vorliegenden Arbeit. [Aus dem Vorwort]
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Metadaten
Author:Aleksandr M. Pjatigorskij
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-245907
URL:http://www.plurale-zeitschriftfuerdenkversionen.de/Pjatigorskij.pdf
ISSN:1618-9205
Parent Title (German):Plurale : Zeitschrift für Denkversionen
Publisher:Plurale e.V.
Place of publication:Berlin
Document Type:Article
Language:German
Date of Publication (online):2012/03/27
Year of first Publication:2006
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Release Date:2012/03/27
Tag:Philosophie des Beobachtens; Zil‘berman, David Beniaminovič
SWD-Keyword:Erkenntniskritik
Volume:6
Pagenumber:40
First Page:243
Last Page:282
Note:
Auszug aus dem beim Verlag Liepnieks&Ritups, Riga, erschienenen Buch: Pjatigorskij, Aleksandr: Myšlenie i nabljudenie. Četyre lekcii po observacionnoj filosofii. [Denken und Beobachten. Vier Vorlesungen zu einer Philosophie des Beobachtens]. Riga 2002, IX-X und 1-52.
HeBIS PPN:323270581
Institutes:Extern
Dewey Decimal Classification:800 Literatur und Rhetorik
Sammlungen:Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
BDSL-Classification:BDSL-Klassifikation: 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $