"Bist du schwul oder was?" : Ethnizität, Homoerotik und der deutsch-türkische Film

Seit seinen Anfängen in den siebziger Jahren durchlief das Kino deutschtürkischer Filmemacher mehrere Entwicklungsphasen, beginnend mit der Phase des Problemfilms und der bevorzugten Darstellung von Opferfiguren in der F
Seit seinen Anfängen in den siebziger Jahren durchlief das Kino deutschtürkischer Filmemacher mehrere Entwicklungsphasen, beginnend mit der Phase des Problemfilms und der bevorzugten Darstellung von Opferfiguren in der Fremde. Im Laufe seiner Entwicklung zeigt sich in den neunziger Jahren eine Variante zu dieser Orientierung in Form der komischen Verarbeitung interkultureller Begegnungen. Diese Phase des deutsch-türkischen Kinos steht in enger Verbindung mit der jetzigen Phase der Fusion verschiedener transkultureller Themen und Settings. Kreiste die Handlung in Filmen der ersten Phase überwiegend um das Thema der Migration, so rückt es im Laufe der Zeit entweder in den Hintergrund, vor dem sich die Handlung abspielt, oder wird in einigen Fällen nicht mehr berücksichtigt. [...] Das Thema der Homoerotik kommt generell nur in einigen wenigen deutschtürkischen Werken vor. Fatih Akins "Auf der anderen Seite", der 2007 in den Kinos lief, mag das bekannteste Beispiel sein. Darin werden im Rahmen einer lesbischen Liebesgeschichte die Schicksale einer deutschen und einer türkischen Frau verbunden: Im Film geht es um Tod, Liebe sowie um Grenzüberschreitungen zwischen verschiedenen Ländern, Generationen, aber auch zwischen Leben und Tod bzw. Jenseits und Diesseits. Das zweite Beispiel stammt vom Schriftsteller und Essayisten Zafer Senoçak. Sein Roman "Der Erottomane. Ein Findlingbuch" ist 1999 erschienen – im gleichen Jahr, in dem Kutlug Atamans "Lola und Bilidikid" im Panorama-Programm der Berlinale lief – und erzählt die Geschichte vom Deutsch-Türken Robert, dessen Tagebuch nach seiner Ermordung gefunden wird, wodurch Schilderungen über seine sadomasochistische und homosexuelle Vergangenheit publik werden. In "Novels of Turkish-German Settlement" konstatiert Tom Cheesman, dass die Aufnahme erotischer Motive die Verlagerung der Diskussion über nationale, ethnische und historische auf sexuelle Kategorien ermöglicht: „Here, [in "Der Erottomane"] as in "Der Mann im Unterhemd", Senoçak uses erotic and pornographic motifs in order to shift the public discourse about identity away from questions of ethnicity, nationhood, and historical memory, toward questions of sexuality.“
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Metadaten
Author:Maha el Hissy
URN:urn:nbn:de:hebis:30:3-262851
URL:http://real.fl.ul.pt/detalhe_texto.page/id/252/texto/%22Bist+du+schwul+oder+was%3F%22
ISSN:1647-8061
Parent Title (Portuguese):Revista de estudos alemães : REAL
Publisher:Universidade des Lisboa, Faculdade de Letras
Place of publication:Lisboa
Document Type:Article
Language:German
Date of Publication (online):2012/12/30
Year of first Publication:2012
Publishing Institution:Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
Release Date:2012/12/30
Tag:Deutsch-türkischer Film
SWD-Keyword:Ethnizität <Motiv>; Film; Geschlechterrolle; Homosexualität <Motiv>; Transvestitismus <Motiv>; Türkischer Einwanderer
Volume:3
Pagenumber:23
First Page:185
Last Page:207
HeBIS PPN:318122758
Dewey Decimal Classification:800 Literatur und Rhetorik
Sammlungen:GiNDok
CompaRe | Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Literatur zum Film
BDSL-Classification:BDSL-Klassifikation: 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.09.00 Stoffe. Motive. Themen
Zeitschriften / Jahresberichte:REAL – Revista de Estudos Alemães : 2012, No. 3 = Em Trânsito - Übergänge ; Grenzen überschreiten in der Germanistik
Journal: Dazugehörige Zeitschrift anzeigen
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