Linguistik-Klassifikation: Morphologie / Morphology
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Aspektsysteme
(1991)
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Hans-Jürgen Sasse
Christina Leluda
Olga Chapado Chorro
Luisa Garcia Garcia
Antje Seidel
Helga Weyerts
Christa König
Chor-Shing Li
Mario Longino
- „Die folgenden Papiere sind im Umfeld eines Hauptseminars "Aspekt und Tempus" entstanden, das im Wintersemester 1989/90 am Institut für Sprachwissenschaft der Universität zu Köln stattfand. In den folgenden Beiträgen werden nicht alle Aspekte des Aspekts gedeckt; im Vordergrund steht hauptsächlich die Frage der Interaktion von lexikalischer Semantik und Aspektmorphologie, so daß sich die Beschreibung der Aspektmorphologie auf aspektrelevante Fälle beschränkt und Nebenfunktionen (z.B. temporale), Konventionalisierungen, Neutralisierungen usw. weitgehend vernachlässigt werden. Kritik und Anregungen sind höchst willkommen.“ ---
Inhalt:
Aspekttheorie (Hans-Jürgen Sasse); Albanisch (Christina Leluda); Spanisch (Olga Chapado Chorro & Luisa Garcia Garcia); Japanisch (Antje Seidel & Helga Weyerts); Maa (Christa König); Modemes Chinesisch (Chor-Shing Li); Samoanisch (Mario Longino)
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Relevanzgesteuerter morphologischer Umbau im Frühneuhochdeutschen
(2004)
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Damaris Nübling
Antje Dammel
- Das Frühneuhochdeutsche hat ohne Zweifel als die morphologisch aktivste und dynamischste Periode der deutschen Sprachgeschichte zu gelten. Die morphologischen Umstrukturierungen, Neuordnungen und Rationalisierungen wirken bis heute nach. Dagegen sind die vorherigen Perioden Alt- und Mittelhochdeutsch primär durch phonologische Umbrüche gekennzeichnet: Einerseits durch zwei große Umlautphasen, bei denen Merkmale unbetonter Vokale regressiv auf den betonten Vokalismus projiziert wurden, andererseits durch Schwächung und Abbau nichtbetonter Vokale. Dieser phonologische Wandel hat das morphologische System massiv affiziert – nicht nur insofern, als suffigierend realisierte Kategorien in ihrer Realisierung bedroht waren, sondern indem auch "Verzerrungen" stattgefunden haben. So wurden durch den anfänglich rein phonetisch motivierten Umlaut Informationen, die bis dato nur in der Wortperipherie ausgedrückt wurden, "automatisch" in die Wurzel befördert – etwa die Kategorie 'Kasus' (Genitiv und Dativ im Singular) und 'Numerus' (Plural) bei Substantiven oder die Kategorie 'Modus' (Konjunktiv) beim starken Verb. Während manche dieser phonologischen »Angebote« in den folgenden Jahrhunderten von der Morphologie aufgegriffen und grammatikalisiert wurden, hat sie andere abgelehnt: Kasusumlaute beim Substantiv wurden in der sog. ersten (ahd.) und zweiten (mhd.) "paradigmatischen Ausscheidung von Umlautvarianten" (Sonderegger 1979, S. 308–310) per Analogie schon bald wieder aus der Wurzel beseitigt, Plural- und Konjunktivumlaute haben sich dagegen bis heute gehalten bzw. wurden sogar ausgebaut. Die Morphologie reagiert schnell auf phonologischen Wandel – und keineswegs erst dann, wenn sie in ihrem Bestand bedroht ist. Beim Substantiv besteht das wichtigste morphologische Ziel in der Numerusprofilierung, beim Verb in der Tempusprofilierung.
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Irregularisierung - Denaturalisierung? : Wege zu morphologischer Irregularität
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Damaris Nübling
- Morphologische Irregularität ist als Differenzungsverfahren zu begreifen, das bei hochfrequenten und kurzen Wörtern nicht nur, wie gesehen, Synkretismen verhindert, sondern u.U. mehr kategorielle Distinktionen kreiert, in jedem Fall aber die üblichen Unterscheidungen aufrecht erhält. Unter dieser Perspektive erweist sich Irregularität als hochfunktional und erklärt, weshalb ihr Aufbau nicht nur dem Wirken phonologischen Wandels bei Analogieresistenz überlassen wird; dies ist die Position der Natürlichkeitstheorie, wobei sie Irregularität nicht als Selbstzweck, sondern als Nebenprodukt phonologischer Optimierungen betrachtet. Vielmehr hat sich durch den diachronen, gesamtgermanistischen Vergleich elementarer Verben gezeigt, dass Irregularität über viele andere Wege aufgebaut wird, die keinen Zweifel daran lassen, dass es die vermehrte Differenzierung ist, die produziert werden soll. Dabei werden sogar sog. Differenzierungsanalogien und Suppletion durch lexikalische Mischung in den Dienst beschleunigter Irregularisierung gestellt. Bezieht man neben der Typen- auch die Tokenfrequenz in das natürlichkeitstheoretische Konzept mit ein, so müssen diese Phänomene nicht als "Denaturalisierungsprozesse" begriffen werden. Neben der lexikalischen und kategorielIen Frequenz erweisen sich Kategorien besonders hoher Relevanz als irregularisierungsanfällig. Damit handelt es sich bei der Irregularisierung keineswegs um einen zufälligen und unsystematischen Prozess; vielmehr folgt auch dieser festen Regularitäten.